Kostenlose Software mieten spart Geld

Der Versuch, Open Source im Business der Application Service Provider (ASP) zu etablieren, wirkt auf den ersten Blick skurril. Er ist aber nicht nur konsequent, sondern mildert aus Kundensicht zentrale Probleme des ASP-Modells.

Von: Dr. Johannes Wiele

Warum etwas mieten, das kostenlos ist? Die Frage liegt nahe, wenn es um Ideen für den Open-Source-Einsatz in ASP-Umgebungen geht. Sie beruht aber auf einem Missverständnis des ASP-Konzepts. "Man muss zwischen Application Hosting und echtem Service Providing unterscheiden", meint beispielsweise Steffen Heine, Mitglied im Vorstand des Business-Continuity-Anbieters Info AG. Service Providing bedeutet für ihn, dass ein Unternehmen einem Kunden jegliche Sorge um eine Anwendung nimmt. "Das kann bedeuten, dass der Anbieter dem Kunden landesweit in jeder Filiale das gesamte Equipment von PC und Drucker bis hin zur lauffähigen Anwendung zur Verfügung stellt", erklärt der Berater. Der Kunde bezahlt den Komplettservice, also die "Lösung" im eigentlichen Sinne des Wortes, und kümmert sich nicht darum, welche Produkte darin integriert sind.

Die IDC-Prognose für den ASP-Markt ist fast zu gleichmäßig schön, um wahr zu sein.

Dieses Konzept ähnelt den Überlegungen, mit denen Linux-Distributoren im vergangenen Jahr versuchten, ihre Geschäftsmodelle auf eine solide Basis zu stellen. Da mit den Distributionen auf CD weniger Geld zu verdienen war als erwartet, bauten Anbieter wie Red Hat, Suse, Turbolinux und Caldera Professional-Services-Organisationen auf. Inzwischen hat sich das Rad noch etwas weitergedreht: Richtig gut geht es im Linux-Markt den selbstständigen Systemhäusern mit Unix-Erfahrung, die ihr Know-how nun ohne das Hemmnis der Lizenzgebühren für Dritte vermarkten können. Ebenfalls gut im Geschäft sind Anbieter, die Linux in Form von Embedded-Lösungen oder sicheren Betriebssystemen in Appliances oder Sicherheitsangebote integrieren. Auch vorkonfigurierte Server finden Interesse. In all diesen Fällen ist es der Kostenvorteil der Open-Source-Software, der zählt, und der frei verfügbare Quellcode, der Eigenentwicklungen erleichtert.