Kostenkiller ohne Festplatte

Thin Clients führen Client/Server-Umgebungen zu zentralem Management zurück. Sinkende Unterhaltungskosten und erhöhte Sicherheit gelten als weitere Vorzüge der Technik. Application Outsourcing könnte den Trend zum schlanken Rechner noch verstärken.

Von: Hartmut Lüerssen

Erholsame Stille am Arbeitsplatz. Kein Festplattensurren und üblicherweise kein Lüfterrauschen stören die Konzentration der Mitarbeiter. Außer dem Klappern der Tastatur geben die "Thin Clients" (TCs) keinen Laut von sich. Die Applikationen liegen zentral verwaltet auf den Servern, Software-Updates müssen nicht mehr mit besonderen Distributions-Tools über das LAN auf die Arbeitsplatzrechner verteilt werden. Turnschuh-Support gehört der Vergangenheit an. Wenn ein Anwender ein Problem meldet, loggt sich der Support-Mitarbeiter in die Session ein und hilft. Das klingt nach heiler Welt und wenig real, läßt sich in Thin-Client-Umgebungen aber relativ einfach realisieren. Der Einsatzbereich von Thin Clients reicht von Mainframe-3270-Anwendungen über X-Window-Sessions und Windows-Anwendungen bis zu Java-basierten Applikationen.

Der Network Computer greift auf verschiedene Host-Systeme zu.

Sowohl "Windows-Based Terminals" (WBTs), die "Network Stations" von IBM als auch "Network Computer" (NC), die alle unter dem Oberbegriff Thin Clients firmieren, besitzen weder eine Festplatte noch andere lokale Laufwerke. Auch äußerlich ähneln sich die meist in einer Halterung stehenden oder liegenden Gehäuse. Dennoch gibt es Unterschiede, die sich vor allem in den Einsatzbereichen und Anwendungsmöglichkeiten der Geräte manifestieren. Außerdem verfolgen die Hersteller verschiedene Strategien, die es zu berücksichtigen gilt. So setzt etwa Sun beim Server-based Computing mit den "Sun-Ray"-Arbeitsstationen einen Sun-Server mit der entsprechenden Enterprise-Server-Software voraus, der dann auf verschiedene Host-Systeme zugreifen kann. Windows-Based Terminals dagegen können auch direkte Terminal-Sessions mit Host-Systemen aufnehmen, sind ansonsten aber für den Zugriff auf Windows-Anwendungen über einen Windows-NT-Server mit "Windows Terminal Server Edition" (TSE) oder später Windows 2000 vorgesehen. Bei Windows-Based Terminals läuft die Applikation vollständig auf dem ApplikationsServer oder Host, über besondere Protokolle wie das "Remote Desktop Protocol" (RDP) von Microsoft oder das "ICA-Protocol" (ICA = Independant Computing Architecure) von Citrix laufen nur die Tastatureingaben und Bildschirminformationen über das Netzwerk. Dementsprechend arbeiten die Rechner mit relativ schwachen Prozessoren. Inzwischen bieten die WBTs meist mehrere lokale Schnittstellen, die per Port-Mapping über den Windows-NT-TSE-Server angesteuert werden, der dafür aber zusätzliche Software benötigt. Außer Smart Card Reader zur sicheren Authentifizierung oder Druckern lassen sich auch Barcode-Scanner oder andere Peripheriegeräte wie Modems betreiben.

Audio und Video gehören mittlerweile zum Standard.

Als jüngster Trend setzen sich USB-Ports an den Geräten durch. Network Computer können mehr und liegen in der Anschaffung preislich etwas über WBTs und verfügen über eine größere Prozessorleistung, weil sie einen Teil der Last vom Server nehmen sollen. Sie haben eine Java Virtual Machine (JVM) und einen angepassten Web-Browser im Flash-Memory und können vom Server heruntergeladene Java-Applets ausführen. Daher sind sie auch variabler beim Applikationszugriff. Im Gegensatz zu Windows-Based Terminals unterstützen sie auch Dateneingabe per Touch-Screen. Video und Audio bieten beide Gerätegruppen, je nach eingesetzter Software sogar Audioeingabe, was sich etwa für Spracherkennungs-Software nutzen lässt.