Konvergenz der Netze

Mehr als 150 Teilnehmer lockte das spannende Thema der Integration von Sprach-, Video- und Datennetzen Ende Mai nach München auf die Netzwerktage 2000. Der Kongress, den NetworkWorld Germany erstmals mit Unterstützung der Datacom Akademie veranstaltete, gab wertvolle Hinweise zu den technischen Rahmenbedingungen der Konvergenz, zur Standardisierung und den Lösungsansätzen führender Hersteller.

Von: Hans Lackner, Heiko Rössel, Claudia E. Petrik

Im Vordergrund der Diskussion standen die technischen Möglichkeiten der Konvergenz, also der "Asphalt der Datenautobahn". Mit Spannung erwartet wurden die Ausführungen von Dr. Gerhard Mägerl, Vice Chairman des ATM-Forums. Dem rasanten Wachstum des Datenvolumen steht die Tatsache entgegen, dass heute noch 70 Prozent der Einnahmen aus der Sprachübertragung stammen. Daher gilt für ihn die Formel: "Convergence = Integration & Differenciation". Dr. Mägerl machte deutlich, dass das ATM-Forum die Gruppe ist, wo "Bellheads" und "Netheads" konstruktiv zusammenarbeiten, denn schon heute laufen 70 Prozent des Internet-Verkehrs über ATM. Starkes Interesse beider Seiten liegt gegenwärtig in den xDSL-Techniken, die eine schnelle Internet-Anbindung bieten. Das ATM-Forum bereitet für diesen Zweck die Spezifikation "Loop Emulation using AAL2" vor, mit der sich SOHO’s (Small Offices and Home Offices) mit 2 MBit/s an das Internet anbinden lassen.

Doch auch die 10-GBit/s-Technik will sich den WAN-Markt erobern, obwohl der Normungsauftrag LAN und MAN lautet. So erfuhren die Teilnehmer, was sich gerade in der IEEE-Arbeitsgruppe "802 LMSC LAN&MAN Standards Committee" tut. Demnach wird es einen "WAN PHY" mit 9953,280 MBit/s geben, der auf SDH beruht und der geeignet ist, die Ethernet-Technik für ein weltweites Internet bereitzustellen. Dabei wird es sich nicht mehr um Ethernet (CSMA/CD) handeln, denn 10-Gigabit-Ethernet definiert lediglich Full-Duplex-Verkehr. Hier wird der Rahmen von IEEE 802.3 verlassen, denn dieses Gremium hat einen Normierungsauftrag lediglich für CSMA/CD (Carrier Sense Multiple Access with Collision Detection). Mit diesen Erweiterungen greift Ethernet eindeutig SDH und ATM an, ohne die in diesem tarifierten Bereich notwendige Funktionen bereitstellen zu können. Nach wie vor setzt diese Technik auf den Grundsatz unendlicher Bandbreite, so daß Access- und Flow-Control-Maßnahmen sich erübrigen. Ebenfalls fehlt der Technik die Möglichkeit beliebiger Vermaschung des Netzes. Spanning Tree und Link Aggregation sind nicht geeignet, dieses Problem zu lösen.

Mehr als 150 interessierte Teilnehmer kamen nach München.

Interessantes aus der Praxis großer Corporate Networks konnte der Unternehmensberater Dr. Hans-Peter Boell berichten. Er war Planer des Kommunikationsnetzes des Flughafens München und betreut jetzt die im Bau befindliche Erweiterung. Zunächst stellte er sein generelles Konzept für die Unternehmensorganisation vor. Dieses basiert natürlich auf VPNs. Mit dieser Technik entsteht ein sicheres, skalierbares und leistungsfähiges Kommunikationsnetz. Diese VPNs werden mit ATM gestaltet, womit sich auch "Mission Critical Applications" realisieren lassen. LAN-Emulation und MPOA mit Carrier-Scale-Integration-Filterlisten sind die Funktionen für die Datenübertragung. MPLS (Multi-Protocol Label Switching) ist für ihn eher eine Option.