Jhai-PC: Dorfrechner mit Pedalantrieb

In Laos zeigt ein gerade angelaufenes Projekt, wie auch Menschen in infrastrukturschwachen Dritte-Welt-Regionen Anschluss ans Internet bekommen können. Beim Jhai-PC machen ein muskelbetriebener Generator und Wireless LAN Strom- und Telefonanschluss überflüssig.

Das von Krieg und Bürgerkrieg verwüstete Laos zählt zu den ärmsten und infrastrukturschwächsten Regionen der Welt. Weite Teile des stark agrarisch geprägten südostasiatischen Landes müssen ohne Strom- und Telefonversorgung auskommen. Ein innovatives Projekt des Technology Empowerment Network (TEN), einer Initiative des Weltwirtschaftsforums (WEF), soll jetzt zumindest für den allgemeinen Zugang ins weltweite Netz sorgen.

Dorfrechner: Der robuste Jhai-PC ersetzt den Stromanschluss durch Muskelkraft und die Telefonleitung durch ein Funk-LAN.

Das Herz des Konzepts stellt der Jhai-PC dar, ein für widrige Umweltbedingungen und geringen Stromverbrauch optimierter Rechner. Das Single-Board-System mit MachZ-104-CPU residiert in einem robusten Metallgehäuse, das als passives Kühlelement auch die Wärmeabfuhr übernimmt. Auf Lüfter oder andere bewegliche Teile verzichtet das Design. Neben der Systemplatine umfasst der PC auch einen PCMCIA-Adapter für eine 802.11b-WLAN-Karte sowie ein Soundboard, das die Nutzung von VoIP-Telefonie ermöglicht.

Die Bedienung erfolgt über eine Tastatur mit integriertem Trackball, als Peripherie bringt der Jhai-PC ein LC-Display und einen Matrixdrucker mit. In einer 96-MByte-Flashdisk finden sich das Betriebssystem Linux und die grafische Oberfläche KDE, optional lässt sich auch eine Festplatte in den Rechner integrieren. Die Stromversorgung übernimmt eine Pkw-Batterie. Sie wird über einen pedalbetriebenen Generator - nach Angabe der Entwickler "im Wesentlichen eine Fahrradfelge und Pedale" - per Muskelkraft aufgeladen.

In einer Pilotphase sollen ab Mitte September fünf laotische Dörfer ihren Jhai-PC erhalten. Die Netzanbindung erfolgt per Parabolantenne via Wireless LAN: Ein zentraler, auf einem Sendemast montierter Access Point mit Solarenergie-Versorgung bündelt die Datenströme der Dörfer und leitet sie per Richtfunk in die Hauptstadt Vientiane weiter. Dort erfolgt der Anschluss ans Internet und via H.323 an das nationale Telefonnetz.

Inwieweit der Jhai-PC den laotischen Bürgern tatsächlich freien Zugang ins Netz der Netze verschaffen wird, ist allerdings fraglich: Laos, eine der letzten "Demokratischen Volksrepubliken", wird von einem kommunistischen Militärregime unter Führung der berühmt-berüchtigten Pathet Lao regiert. Als Prototyp für die Vernetzung ländlicher Gebiete in unterentwickelten Ländern birgt das Dorf-PC-Projekt durch seine weit gehende Unabhängigkeit von klassischen Infrastrukturen dennoch beachtliche Aussichten. (jlu)