IP liefert Mehrwert

Der Siegeszug des Internet-Protokolls ist nicht mehr aufzuhalten: Während heute ein Viertel aller Datendienste über diesen Standard abgewickelt werden, sollen bis 2010 fast 90 Prozent aller übermittelten Datenpakete IP-basiert sein. Da verwundert es nicht, dass die Anbieter mit viel Power neue IP-Services aus der Taufe heben.

Von: Hans-Jörg Schilder

Die Liste neuer IP-Services ist ebenso lange wie undurchschaubar: Corporate Networking, Internet-Connectivity, Hosting, SAN-Dienste (SAN = Storage Area Network) und VPNs (VPN = Virtual Private Network) sind nur ein Teil der verwendeten Schlagworte. Meist sind es die Anbieter von Internet-Diensten, die längst gemerkt haben, dass sie mit dem reinen Internet-Zugang kein Geld mehr verdienen können. Aus diesem Grund lassen sich diese Firmen etwas einfallen: Multimedia-Services, um Audio- und Videodaten abzuspielen, Conferencing-Dienste für Unternehmen oder auch Beratungs-Know-how wird angeboten. Außerdem gibt es E-Business-Angebote, die vom Internet-Shop bis hin zur Integration in Warenwirtschaftssysteme reichen.

Und die Liste der IP-Dienste ist noch lange nicht zu Ende: Voice over IP (VoIP), Web-basierte Callcenter, Voice-Portale und IP-basiertes Management der Kundenbeziehungen (CRM = Customer Relationship Management) gehören zu den weiteren Angeboten eines Internet-Serviceproviders (ISPs). Unterschiedliche Bezeichnungen für ähnliche Dienste tragen nicht gerade dazu bei, den Dschungel der Begriffe zu lichten. Value-added-Services oder Mehrwertdienste sind das Zauberwort der Branche, glaubt zumindest Joe Hickey, Vice President und General Manager IP Services von Nortel Networks: "IP-Mehrwertdienste wie VPNs, verwaltete Firewalls und personalisierte Content-Portale sind für Serviceprovider unverzichtbar, wenn sie ihren Kundenstamm pflegen und ausbauen und ein profitables Geschäftsmodell auflegen wollen."

Offenbar zahlt sich dies für Nortel aus, denn einem Bericht der Synergy Research Group zufolge stand der Ausrüster im dritten Quartal 2000 mit einem Marktanteil von 75 Prozent auf Platz eins des Switch-Markts für IP-Services; ähnlich erfolgreich ist der Herstel-ler bei den IP-Routern. Den Grund für die Markterfolge kennt Jeremy Duke, Präsident der Synergy Research Group: "Mehrwertdienste ermöglichen es Breitband-Serviceprovidern, in einem sehr wettbewerbsintensiven Umfeld Umsätze und Gewinnmargen zu erhöhen." Und von den neuen Diensten können die Geschäftskunden profitieren.

Unternehmen sparen Kosten, indem sie ihre Ferngespräche über das Datennetz abwickeln.

Unternehmen, die Ausrüstung für Breitbandnetze liefern, sind unter anderem Juniper, Cisco, Unisphere und Nortel. So lässt sich der Edge-Switch "Shasta 5000 BSN" von Nortel in der Peripherie von Netzwerken einsetzen, um mit Techniken wie DSL (DSL = Digital Subscriber Line) die letzte Meile zum Internet-Backbone zu überbrücken. Damit stellt der Provider einen schnellen Zugang zu Breitbanddiensten und -Content zur Verfügung.

Solche Edge-Switches können die Sammeleinwahl, DSL, Festnetz und Mobilfunk, optische Stadtnetze und Ethernet-Anschlüsse, ATM (ATM = Asynchroner Transfer-Modus), Frame-Relay und Standleitungen in einem Gerät konzentrieren. Serviceprovider in den USA wie Savvis Communications oder Link Networks setzen die Geräte ein, aber auch die in Deutschland ansässigen Firmen Arcor und der WLL-Anbieter Star 21.