IP ist Hype

Der Glaubenskrieg zwischen den Befürwortern unterschiedlicher High-Speed-Techniken im LAN und Weitverkehrsbereich geht weiter. ATM ist nicht tot, wie es viele behaupten, Gigabit-Ethernet nicht das Allheilmittel. Nur eines scheint für alle klar zu sein: Die Zukunft gehört IP.

Von: Kai-Oliver Detken

Einigkeit herrscht unter den IT-Fachleuten, daß die Anforderungen an die Netze in den kommenden Jahren drastisch steigen werden, denn

- Kommunikationsanwendungen erfordern eine immer höhere Übertragungsqualität;

- der Bedarf an schnellem Transfer von Video, Sprache und Daten nimmt zu und

- die Verfügbarkeit von mehr Bandbreite im Netz wird zum entscheidenden Kriterium einer effizienten Kommunikation.

Uneinigkeit herrscht jedoch in der Frage, welche Netzwerktechnik am besten den schnellen und sicheren Transport großer Datenaufkommen sicherstellen kann. Während die einen ATM vor allem wegen seiner Multiservice-Fähigkeit und der bereitgestellten "Quality of Service" (QoS) loben, lehnen andere diese Technik unter Verweis auf die hohen Kosten und die Komplexität ab. Für sie hat ATM vor allem im lokalen Netz den Anschluß verpaßt. Gigabit-Ethernet und insbesondere IP, die sich durch hohe Übertragungsgeschwindigkeiten bei einfacher Handhabung und niedrigere Kosten auszeichnen, sind für viele eine Alternative zum asynchronen Übertragungsverfahren.

Fixpunkt ist das physikalische Übertragungsmedium, überd as Protokolle in unterschiedlichen Kombinationen übertragen werden können.

Doch auch diese scheinbar überzeugenden Alternativen bergen Tücken, wie Ende Oktober auf der Konferenz "ATM, Gigabit-Ethernet, IP und SDH; Hochgeschwindigkeitsnetze - wer macht das Rennen" des I.I.R. deutlich wurde. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich Sprache am besten über heutige Netze transportieren läßt. ATM bietet mit seiner festen Zellengröße von 53 Byte eine für Sprache ausreichende Latenzzeit von sechs Millisekunden. Neu in den ATM-Spezifikationen ist die "Guaranteed Frame Rate" (GFR), die es in Verbindung mit dem "Traffic Management 4.1" erlaubt, einen Verkehrsvertrag ("Traffic Contract") auf der ATM-Anpassungsschicht 5 (AAL) auszuhandeln, und nicht auf dem ATM-Layer.

Neu bei ATM ist außerdem eine Spezifikation für "Video on Demand" (VoD), welche die Übertragung von MPEG-2-Strömen über ATM ermöglicht und dabei Video, Sprache und Daten berücksichtigt. Um Fernsehqualität zu erreichen, sind Bandbreiten von 23 bis 25 MBit/s erforderlich. Ebenfalls in der Diskussion ist "Frame ATM over SDH Transport" (FAST), um ATM-Endgeräte über unterschiedliche Techniken anzusprechen.

Ein ATM-Referenzprojekt hat die Deutsche Bibliothek in Frankfurt am Main realisiert. Dort hat sich die LAN-Emulation in der Praxis bewährt, auch wenn durch den Einsatz von IPX unter Windows NT Probleme auftauchten. Der Grund: Meldungen, die ein Client mittels Broadcast versendete, wurden so schnell übermittelt, daß der Sender nicht alle Unicast-Meldungen wieder empfangen konnte. Als Lösung wurde empfohlen, die Server auf Linux umzustellen.