Investition zahlt sich aus

Die Rettung aus dem Informationschaos in Unternehmen kann ein Überverzeichnis sein, ein Meta-Directory, das alle vorhandenen Unterstrukturen integriert. Dabei sammelt das System ausgewählte Daten der einzelnen Pools und sorgt für die Konsolidierung und Synchronisation.

Von: Kerrin Mayer

Die Netze aller Unternehmen werden heute Internet-konform und rüsten sich damit für den künftigen Einsatz im Umfeld des E-Commerce. Bei der Wandlung "vom Dampfer zum Schnellboot" haben die Unternehmen jedoch einige entscheidende Änderungen in ihrer IT-Infrastruktur vorzunehmen.

Für Visionäre ist die Verwandlung der Wirtschaft zur New Economy bereits abgehakt. Das Internet hat sich als Medium durchgesetzt. Die Netze der Unternehmen zeigen einen Trend zur Globalität. Die alten physikalischen und softwaretechnischen Hindernisse verschwinden. Handel und Beschaffung via Internet, radikale Senkung der Entwicklungszeiten und der Prozesskosten sind die Prämissen für die neuen stromlinienförmigen Unternehmen.

Marktforscher ziehen vergleichbare Schlüsse. Dr. Axel Brinkmann, Senior Consultant bei der Hamburger GMS Consult, sieht den Prozess der Neuausrichtung sogar vielschichtiger. "Wer sein Unternehmensnetz auf zukünftige, durch das Internet beeinflusste Geschäftsprozesse ausrichtet, muss auch seine IT-Infrastruktur entsprechend ausbauen, sonst verliert das Unternehmen laufend Geld", weiß er aus Erfahrung. Der Berater hat in den vergangenen Monaten zahlreiche mittlere bis große Unternehmen zum Einsatz von Meta-Directories beraten und die Alternativen in Mark und Pfennig berechnet. Sein Beratungsthema klingt auf den ersten Blick einfach, doch beim näheren Hinsehen erweist es sich, dass es quasi um die "Radnabe" der ge-samten Informationen eines Unternehmens geht. "Directories sind elektronische Verzeichnisse, die prinzipiell jede Art von Information aufnehmen können", erklärt Brinkmann. "Nehmen Sie zum Beispiel die Daten eines Mitarbeiters, von seiner Telefonnummer, seiner E-Mail, seinen Angaben für die Lohn- und Gehaltsbuchhaltung bis hin zu seiner digitalen Signatur."

Eine konsequente Ausrichtung der gesamten IT-Infrastruktur erweist sich in der Praxis als komplexes Problem. Ein Unternehmensnetz kann sich zwar mit wenigen technischen Schritten zum weit verteilten, Internet-konformen Netz wandeln - doch die Anwendungen halten damit nicht Schritt. Brinkmann berichtet von einem Beratungsfall aus der Praxis, einem Konzern der Elektrotechnik. "Das Unternehmen hat 36 000 PC-Anwender, und deren Daten waren im Netz mehrfach und in verschiedener Ausprägung vorhanden. Zum Beispiel als Anwenderdaten für Windows NT, im E-Mail-System, zur Anmeldung im Intranet und für das Lohn- und Gehaltsbuchhaltungsmodul. Dadurch ging viel Zeit mit der Mehrfachpflege der Daten verloren."

Nicht immer ist ein Firmenzusammenschluss oder Ähnliches verantwortlich für eine bunte bis chaotische Koexistenz von diversen Verzeichnissen und Systemen in einem Unternehmen. Laut Forrester Research existieren in den Fortune 1000 Unternehmen durchschnittlich 180 verschiedene Verzeichnisse. Dieses Chaos führt in einer Welt ohne elektronische Schlagbäume nicht nur zu hohen finanziellen Verlusten, sondern birgt auch Sicherheitsrisiken. "Wir haben beispielsweise ein international agierendes Unternehmen mit 90 000 Mitarbeitern beraten. Da drehte es sich nur in zweiter Linie um die Kosten. Entscheidend war es eher, die jeweils aktuellen Autorisierungen der Benutzer für die entsprechenden Systeme parat zu haben und jeglichen Missbrauch zu verhindern. Das bedeutet, dass neue User ins System aufgenommen und für Anwendungen autorisiert werden müssen. Die Zugriffsrechte anderer Mitarbeiter sollen gelöscht werden und zwar vollständig, damit sie keinen Datenzugriff mehr haben und keine Sicherheitslücke entsteht. Gleichzeitig müssen diese User aber bis zum Ende der Abrechnungsperiode bei ihrer Kostenstelle weitergeführt werden. Behalten Sie da mal den Überblick!"

Der Weg aus dem Chaos führt nicht über ein zentralistisches Verzeichnis. Die lokalen Verzeichnisse, die übrigens nicht nur für Personen gelten können, sondern auch für Netzkomponenten, Rechner und Anwendungen, bleiben weiter bestehen. Die Lösung ist ein Überverzeichnis - das Meta-Directory - das alle Verzeichnisse eines Unternehmens integriert, das heißt ausgewählte Daten der einzelnen Verzeichnisse sammelt, konsolidiert, synchronisiert und aktuell hält.

Mit Hilfe des 'Metahubs' lassen sich andere im Unternehmen vorhandene Verzeichnisse zu einem einzigen zusammenschließen.

Solche Verzeichnisse gibt es von einigen Technikpionieren des Internets. Brinkmann greift in seinen Beratungen oft auf das Meta-Directory von Siemens zurück. "Dieses Überverzeichnis kann als Vorteile für sich verbuchen, dass es frühzeitig aus X.500, der Norm der International Telecommuncations Union heraus entwickelt wurde und gleichzeitig auf LDAP (Lightweight Directory Access Protocol), den entsprechenden Standard des Internets ausgerichtet ist." LDAP ist eine kostengünstige Vereinfachung des X.500-Zugriffsprotokolls DAP.