Web-Index

Internet-Rangliste prangert Zensur und Überwachung an

In Skandinavien können Menschen sich am besten online informieren und ihre Meinung sagen, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Doch weltweit seien Überwachung und Zensur auf dem Vormarsch.

Meinungsfreiheit und Privatsphäre brauchen einem aktuellen Bericht zufolge im Internet mehr Schutz. Während in Entwicklungsländern eher Web-Inhalte zensiert oder blockiert würden, sei in Industrieländern die Überwachung der Online-Kommunikation durch staatliche Stellen ein größeres Problem, heißt es in dem am Freitag in London vorgestellten Web Index. Nur fünf der 81 untersuchten Länder wendeten rigorose Kontrollen für staatliche Überwachung an.

Die "wachsende Welle von Überwachung und Zensur bedroht nun die Zukunft unserer Demokratie", sagte Tim Berners-Lee dem britischen "Guardian" kurz vor der Präsentation. Berners-Lee ist einer der Gründerväter des World Wide Web. Der Web Index wird von der World Wide Web Foundation herausgegeben, die er 2009 gründete.

Die Rangliste der World Wide Web Foundation.
Die Rangliste der World Wide Web Foundation.
Foto: World Wide Web Foundation

Die Länder werden unter anderem danach bewertet, wie verbreitet Internetzugänge sind, ob Menschen grundlegende Informationen online finden und ob sie sich politisch und sozial im Netz engagieren.

Deutschland liegt wie im vergangenen Jahr auf Platz 16 der Rangliste, konnte seinen Wert allerdings um acht Punkte auf 83 Punkte steigern. Die Skala reicht bis 100, Spitzenreiter ist Schweden. Deutschland bekommt gute Noten für den verbreiteten Internetzugang, liegt aber beim Einsatz des Webs für soziale oder politische Diskussion hinter den USA und den skandinavischen Ländern.

In knapp einem Drittel der untersuchten Länder seien im vergangenen Jahr Internetinhalte blockiert wurden. Bei den Recherchen sei aufgefallen, dass Gesetze gegen Beleidigung, Extremismus oder Cyberkriminalität als Zensurmittel missbraucht würden, heißt es in dem Bericht. Ein weiteres Problem sei, dass Internetzugänge besonders in Entwicklungsländern noch sehr teuer seien. (dpa/hal)