Intel ruft Pentium III mit 1,13 GHz zurück

Wegen eines Fehlers im Pentium III mit 1,13 GHz ruft Intel alle bisher ausgelieferten Prozessoren mit dieser Taktfrequenz zurück. Die CPU neigt bei bestimmten Code-Kombinationen zu Abstürzen. Bis zur Klärung des Problems will man lieber auf Nummer sicher gehen.

Bereits als die ersten Muster des Pentium III mit 1,13 GHz ausgeliefert wurden, wollten einige der Samples nicht zuverlässig arbeiten. Während das tecChannel zur Verfügung gestellte Exemplar mit zusätzlicher Kühlung sowohl im von Intel empfohlenen Mainboard VC820 als auch in anderen Boards stabil lief, hatten andere weniger Glück. Die renommierten Hardware-Sites Tom's Hardware Guide und HardOCP beschwerten sich über CPUs, die ständig abstürzten.

Bei einem erneuten Test, den die beiden Sites mit insgesamt drei Exemplaren des 1,13-GHz-Renners durchführten, weigerte sich neben anderen Instabilitäten jeder der Chips den Kernel von SuSe Linux 6.4 zu kompilieren. Intel entsandte einen Techniker ins Labor der Kollegen, der die Probleme reproduzieren konnte.

Als Resultat hat Intel mit sofortiger Wirkung die Auslieferung des Pentium III mit 1,13 GHz eingestellt. Die unter anderem an Dell und IBM bereits ausgelieferten Prozessoren werden zurückgerufen, betroffene Endkunden sollen eine Entschädigung oder Ersatz erhalten.

Heißes Eisen: Intel selbst hat sich am Pentium III mit 1,13 GHz die Finger verbrannt.

Diese Austausch-Prozessoren können nach Aussage von Intel-Sprecher Hans-Jürgen Werner jedoch noch "einige Monate" auf sich warten lassen. Die Massenproduktion des Pentium III mit 1,13 GHz soll erst später anlaufen, daher wurden die heißen Chips bisher auch nur an PC-Hersteller ausgeliefert.

Werner gab im Gespräch mit tecChannel an, man habe einen "Glitch" im Pentium III mit 1,13 GHz entdeckt. Zu Deutsch: Der Prozessor verhaspelt sich gelegentlich wegen einer bisher nicht entdeckten Unzulänglichkeit. Der Fehler trete aber nur bei dieser Taktfrequenz auf, andere Varianten des Pentium III, die mit dem neuen Stepping 6 ausgeliefert werden, sollen davon nicht betroffen sein.

Der finanzielle Schaden für Intel sei minimal, gab Werner weiter an. Zwar äußert sich Intel prinzipiell nicht zu ausgelieferten Stückzahlen, es ist jedoch davon auszugehen, dass bisher nur wenige Tausend Exemplare des Highend-Chips verkauft wurden.

Wesentlich höher ist der Image-Schaden für den Prozessor-Primus zu bewerten. Erst am Montag wurde AMDs Athlon mit 1,1 GHz vorgestellt, den tecChannel bereits testen konnte. Dieser Prozessor erforderte im Labor weniger aufwendige Kühlverfahren und stellt obendrein den schnellsten PC-Prozessor dar. Darüber hinaus sind Intels Test-Methoden jetzt in Frage gestellt - ein nicht mit jeder verbreiteten Software stabil arbeitender Prozessor stellt ein Novum in der Geschichte des Marktführers dar. Das völlig unsinnige Gigahertz-Rennen mit AMD hat mit dem Pentium III für 1,13 GHz ein erstes Opfer gefordert. (nie)