Intel-CEO: Investieren statt verlieren

Craig Barrett sieht die weitere Investition in eigene Forschung und andere Firmen als einzigen Ausweg aus der Halbleiter-Krise. Dies gab Intels CEO auf einer Veranstaltung in München bekannt. Zu den von Intel favorisierten Technologien zählt jetzt auch DDR-SDRAM.

Barrett befindet sich derzeit auf einer Europa-Tour. Nach einer ähnlichen Veranstaltung in London am Donnerstag breitete der Intel-Chef am Freitag in München seine Visionen vor geladenen Gästen aus Industrie und Wirtschaft aus. Am Samstag wird er die Eröffnungsrede bei der Verleihung des Grimme Online Awards halten.

Das Engagement von Craig Barrett ist vor allem als Versuch zu werten, für die von Krisen geschüttelte Halbleiter-Industrie Optimismus zu verbreiten. Allein in der vergangenen Woche hatten die Umsatz- und Gewinnwarnungen von Infineon, Micron und Transmeta die Börsen erschüttert (siehe tecHistory unten rechts).

Ein Ende der Krise sieht Barrett frühestens im Herbst, er äußerte sich aber auch skeptisch allen Branchen-Auguren gegenüber: "Sie haben diese Situation auch nicht vorausgesagt, und jetzt sagen sie, wann sie endet. Machen Sie sich ihr eigenes Bild von dieser Glaubwürdigkeit." Von Windows XP erwartet sich Barrett allerdings selbst einen kleinen Schub für den Absatz von PCs.

Umgeben von Präsentationstechnik für mindestens eine halbe Million Mark betonte Craig Barrett in München die Bedeutung des Internet für die weitere wirtschaftliche Entwicklung: "Das Internet ist der Wachstumsmotor der Zukunft" meinte der Intel-Chef. Deutschland sieht er in diesem Zusammenhang gut gerüstet: So verfüge das Land über die beste Infrastruktur für Telekommunikation in Europa, und habe sehr gut ausgebildete und für neue Technologien aufgeschlossene Arbeitskräfte. Barrett mahnte jedoch, dass nur 21 Prozent der mittelständischen Unternehmen das Internet für Werbung, Vertrieb, Einkauf und Logistik nutzen würden. Als weiteren Fehler sieht er das Warten auf neue Technologien: "UMTS und andere Dienste brauchen etwas länger, als viele das vorhergesagt haben."

Barrett in München: In der Hand ausnahmsweise kein neues Intel-Produkt, sondern nur die drahtlose Maus.

Dennoch seien derartige Technologien sichere Erfolgskandidaten, meinte Barrett. So würde der technisch UMTS vorausgehende Service i-mode in Japan alle zwei Minuten 50 neue Kunden gewinnen. Auch klassische Dienste würden weiter wachsen. Laut Craig Barrett werden alle 120 Sekunden 900.000 Instant-Messages per AOL verschickt, und bei Google laufen in der selben Zeit 83.000 Suchabfragen ein.

Damit all das funktioniert, braucht man nach Meinung des Intel-CEOs natürlich Intel-Equipment. Diverse Demonstrationen mit digitalem Video in HDTV-Auflösung oder, etwas kleiner, für PDAs liefen über Itanium- und Pentium-4-Maschinen ab.

Solche neuen Technologien will Intel weiter forcieren, auch wenn der Umsatz derzeit zurückgeht: "Man spart sich da nicht heraus, man investiert sich heraus" meinte Craig Barrett. Folglich hält Intel daran fest, in diesem Jahr 4,2 Milliarden Dollar für Forschung und Entwicklung und 7,5 Milliarden für Investments auszugeben, vor allem bei anderen Firmen. Ob damit auch die derzeit viel gemunkelte Übernahme der Alpha-Prozessoren von Compaq gemeint ist, bleibt bislang ungeklärt.

Von wegen sparen: Intel gibt weiter Geld aus, um "Führerschaft und Wachstum" zu sichern.

Die Anleger sollen laut Barrett ihr Geld auch lieber in die Firma Intel stecken: "Verkaufen Sie jetzt ihre AMD-Aktien!" meinte der CEO in einer sichtbar scherzhaften Bemerkung. Sie stellte den Abschluss seiner Antwort auf die Frage nach stärker werdende Konkurrenz von AMD und Transmeta dar. Barrett betonte vor allem, dass sein Unternehmen vom Server bis zum PDA ein komplettes und erprobtes Portfolio an Halbleitern habe.

Dazu gesellt sich demnächst auch die neue Version des Pentium III, Codename Tualatin. Während wir über den Aufbau der CPU bereits berichteten, stellt sich jetzt heraus, dass Tualatin Intels erster Prozessor mit Kupfer-Interconnects ist. Warum Intel, wie bei anderen Technologiesprüngen üblich, darum keinen Wirbel gemacht hat, erklärte Barrett so: "Wir kümmern uns nicht so sehr um die Metallisierung, sondern bauen einfach die schnellsten Transistoren." Dass Kupfer erst jetzt bei Intel ein Thema ist, sieht der Intel-Chef eher als Erfolg: "Wir haben es bisher nicht gebraucht, fragen Sie doch mal die anderen, warum die es bisher gebraucht haben" erklärte Barrett jovial.

Ebenso entspannt sieht man bei Intel inzwischen die konkurrierenden Speicher-Standards. RDRAM sei zwar immer noch eine "sehr wertvolle Technologie", meinte Barrett, aber in Zukunft "haben die Käufer die Auswahl zwischen billigerem SDRAM und teurerem DDR-DRAM und RDRAM" - das klang vor knapp zwei Jahren noch ganz anders, als Intel den Rambus als einzig mögliche Zukunftstechnologie gesehen hatte.

Barrett gab in München sogar ganz offen zu, dass Intel vor der Markteinführung von Pentium-4-Chipsätzen für SDRAM und DDR-SDRAM steht. Auf der Computex vor zwei Wochen hatte man den entsprechenden Chipsatz "Brookdale-DDR" noch mehr oder weniger gut versteckt. (nie)