Indien: Volkscomputer gegen Digital Divide

Als Programmierer genießen Inder zwar einen guten internationalen Ruf. Tatsächlich bekommen aber nur die wenigsten Einwohner des Subkontinents einen Rechner jemals auch nur zu Gesicht. Der Simputer soll das jetzt ändern.

Das Akronym Simputer steht für "Simple, Inexpensive and Multifunctional Computer". Das Gerät, dessen Rollout für diesen Monat ansteht, erinnert äußerlich an einen Handheld a la Palm oder Handspring. Bei Preisen zwischen 10.500 und 23.000 Rupien (220 bis 480 Euro) bringt der Simputer eine 206-MHz-StrongARM-CPU, 32 bis 64 MByte RAM und ein V.90-Modem mit. Das von zwei AA-Akkus angetriebene System setzt als OS Linux 2.4.16 ein und verfügt über gängige Applikationen wie Browser, E-Mail oder MP-3-Player. Ein integrierter Smart-Card-Reader soll nicht nur für Sicherheit, sondern auch für Mehrbenutzerfähigkeit sorgen.

Übungsplattform: Der Simputer soll auch dem Durchschnitts-Inder endlich den Zugang ins globale Dorf ermöglichen.

Selbst zum Einstiegspreis bleibt ein Simputer für die meisten Inder ebenso unerschwinglich wie ein rund dreimal teurerer PC: 10.500 Rupien entsprechen einem halben Jahreseinkommen. Daher ist der Simputer darauf ausgelegt, im Miet- und Mehrbenutzerbetrieb zu operieren. Panchayats (Dorfräte), Schulen oder Läden sollen die Simputer stundenweise ausgeben, wobei sich die Benutzerprofile auf Smart Cards abspeichern lassen. Auf diese Weise soll auch die weniger begüterte Bevölkerung, vor allem die 600 Millionen auf dem flachen Land lebenden Inder, den Eintritt ins digitale Zeitalter schaffen.

Allerdings erscheint es momentan fraglich, ob der Simputer die ihm zugedachte Klientel jemals erreicht. Der Hersteller Encore Software, der den Simputer zusammen mit dem Indian Institute of Science in Bangalore entwickelt hat, verfügt nicht über ausreichende Ressourcen zur Weiterverbreitung des Geräts. Die großen indischen Distributoren, die diese Aufgabe übernehmen sollen, scheinen dagegen eher an einem Verkauf in USA und Europa als kostengünstige Palm-Alternative interessiert zu sein. Dementsprechend ist momentan ist von einer Monatsproduktion von 1.300 bis 1.400 Simputern die Rede, nächstes Jahr könnten laut Encore 50.000 der Geräte produziert werden. Für eine Milliarde Inder erscheint das, vorsichtig ausgedrückt, etwas unzulänglich. (jlu)