HP-Chefin hält Grid-Computing für Hype

Nachdem Grid Computing auf der Oracle World in San Francisco nach der Vorstellung von "Oracle 10g" zu den beherrschenden Themen gehörte, forderte die HP-Chefin Carleton "Carly" Fiorina in ihrer Keynote mehr Realitätssinn.

Bis zu einem sinnvollen Einsatz dieser Technik würden noch mindestens drei bis fünf Jahre vergehen, in denen es zahlreiche gravierende technische Probleme zu lösen gelte. Fiorina präsentierte der Computerwoche zufolge eine Liste der fünf größten Schwierigkeiten auf dem Weg zu einer Vision. "HP möchte, dass das Grid für IT-Ressourcen das leistet, was das Web für Dokumente getan hat - allgegenwärtigen und leichten Zugang", so Fiorina.

Bisher sei Grid-Software allerdings zu komplex. Das aktuelle "Globus Toolkit" sei zu wissenschaftlich orientiert, die kommende eher auf Web-Services und kommerzielle Anwendungen ausgerichtete Version 3 vom Code her sehr umfänglich. Zweitens müsse Globus robuster werden. Dazu gehöre unter anderem ein automatisiertes System zur Verteilung von Fixes. Weitere Herausforderungen sieht Fiorina in den Bereichen Datensicherheit im Rechenzentrum, Heterogenität und Interoperabilität von Systemen sowie dem Fehlen offener Standards. Grids dürften keine proprietären technologischen Inseln werden, sagte die HP-Chefin.

Einige Seitenhiebe verteilte Fiorina außerdem in Richtung Michael Dell. Dieser habe in seiner Keynote am Montag über Standards für Grid-Computing schwadroniert. Das allerdings stehe ihm schlecht zu Gesicht, so die HP-Chefin, denn schließlich komme der Direktanbieter mit einem mageren Budget von 500 Millionen US-Dollar für Forschung und Entwicklung über die Runden. Zur Weiterentwicklung des Grid-Computing, die massiven Entwicklungsaufwand erfordere, trage Dell da wohl kaum etwas bei. Ähnlich hatte sich gestern auch bereits Sun-Chef Scott McNealy geäußert.

Auch im Publikum der Oracle-World ist längst nicht jeder auf dem Grid-Computing-Trip. Einen Kunden aus einer Fortune-500-Firma, der lieber anonym bleiben wollte, zitiert die US-Presse mit der Aussage, Grid-Computing sei das nächste große Ding, "bis sich Larry Ellison nächstes Jahr etwas anderes ausdenkt".

Ausführliche Informationen zum Grid-Computing finden Sie in diesem Report. (Computerwoche/Jürgen Mauerer)