Hausärzte erproben Software für Dokumentation

Das Dokumentationssystem CONTENT soll niedergelassenen Ärzten einen schnelleren Überblick über Patientendaten wie Krankheiten und Therapien vermitteln.

CONTENT soll außerdem dazu beitragen, dass erstmals in Deutschland aussagekräftige Daten über die hausärztliche Arbeit erhoben werden können. Die Dokumentation umfasst neben der Verschlüsselung von Diagnosen den Anlass für den Arztbesuch, Beratungsergebnisse sowie medizinische Leistungen wie Verschreibungen, Einweisungen und Laboruntersuchungen.

Mit dem neuen Dokumentationssystem CONTENT können niedergelassene Ärzte einen schnellen Überblick über Patientendaten erhalten. (Abb.: Universitätsklinikum Heidelberg)
Mit dem neuen Dokumentationssystem CONTENT können niedergelassene Ärzte einen schnellen Überblick über Patientendaten erhalten. (Abb.: Universitätsklinikum Heidelberg)

Mit dem bundesweit einmaligen Projekt möchte die Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg umfassende epidemiologische Daten aus Hausarztpraxen gewinnen. CONTENT steht für "Continous morbidity registration network". Es wird derzeit im Rhein-Neckar-Kreis erprobt.

„Nutznießer des neuen Dokumentationssystems wird letztlich der Patient selbst sein“, so Dr. Thomas Kühlein, Leiter des Heidelberger Projekts. „Der Doktor wird schneller als bisher, nämlich per Mausklick, über die bisherigen Gesundheitsprobleme seiner Patienten informiert, die hier auf Wunsch nach Diagnosen gelistet sind.“ Dadurch könne der behandelnde Arzt das akute Problem des Patienten zügig und effektiv in dessen Krankengeschichte einordnen und die Behandlung gezielt einleiten.

Bislang erproben 17 Hausarztpraxen an ihren Praxiscomputern ein zuschaltbares Modul für die Software "S3" der Firma Mediamed Systec GmbH. Spätestens bis 2009 sollen 100 Praxen in das Projekt einsteigen. Die Daten von 38.000 Patienten sind bereits eingegeben.

„Bei CONTENT werden sich die Mediziner nicht mehr darauf beschränken, ihre Diagnose aufzulisten und mit dem jeweiligen Behandlungsdatum zu versehen“, so Kühlein. Die Hausärzte sollen stattdessen klassifizieren: Warum kommt der Patient zum Arzt? Wie lautet die Diagnose? Was wird gemacht? Auf diese Informationen hat der Arzt später dann entsprechend schnell Zugriff. Sämtliche Daten werden außerdem verschlüsselt und anonymisiert zur wissenschaftlichen Auswertung an das CONTENT-Rechenzentrum weitergegeben.

„Epidemiologische Daten von Hausärzten sind in Deutschland bislang kaum verfügbar“, sagt Professor Joachim Szecsenyi. Dazu zählt der Leiter der allgemeinmedizinischen Abteilung am Uniklinikum Untersuchungen zur Häufigkeit von Erkrankungen sowie wissenschaftliche Studien über Diagnosen und veranlasste Leistungen. Hier bestehe ein großer Forschungsbedarf. Mit CONTENT könnten künftig z.B. Hypothesen zu Häufung oder zum Rückgang von Allgemeinbeschwerden erstellt werden. (Detlef Scholz)