Weniger explizit

Hasso-Plattner-Institut kündigt neue Programmiersprache Babelsberg an

Nicht nur Apple hat eine neue Programmiersprache entwickelt, sondern auch das Potsdamer Hasso-Plattner-Institut (HPI).

Die neue HPI-Sprache heißt einer Mitteilung zufolge "Babelsberg". Autoren sind Doktorand Tim Felgentreff und die Professoren Alan Borning (Gastwissenschaftler von der Washington University, Seattle) und Robert Hirschfeld, Leiter des HPI-Fachgebiets Software-Architekturen. "Der Name hat sich einfach aus der Lage des Instituts im Potsdamer Stadtteil Babelsberg ergeben", sagt Felgentreff - und finde vor allem bei Amerikanern großen Anklang. "Die denken dabei auch den in der Bibel erwähnten Turm von Babel und verbinden damit die Hoffnung, dass die neue Programmiersprache über herkömmliche hinauswachsen könnte."

HPI in Potsdam-Babelsberg, Hauptgebäude
HPI in Potsdam-Babelsberg, Hauptgebäude
Foto: HPI / Kay Herschelmann

Was in der Tat der Fall sein könnte - Entwickler können mit Babelsberg nämlich Aufgaben formulieren, den Lösungsweg versucht anschließend der Rechner herauszufinden. Babelsberg könne ohne explizite Anweisungen einen gewünschten Zielzustand erreichen, so das HPI. Informatikerin Maria Graber, die im Rahmen ihrer Master-Arbeit an Babelsberg mitarbeitet, erläutert: "Mit Babelsberg gelingt es etwa, ein Sudoku zu lösen, ohne dass für den Computer die strategischen Einzelschritte echter Sudoku-Spieler im Detail programmiert werden müssen. Die Kenntnis der Regel genügt bereits." Graber weiß, wovon sie spricht - sie war 2010 deutsche Sudoku-Meisterin und hat auch schon mehrfach an Weltmeisterschaften teilgenommen.

Der neuartige Ansatz von Babelsberg verringert laut HPI den Programmieraufwand, da viel weniger Code geschrieben werden muss. Dieser sei auch leichter verständlich und schneller prüfbar, wodurch sich Fehler besser vermeiden ließen. Gleichzeitig lasse sich Babelsberg in existierende Programmiersprachen integrieren, sodass die Arbeit der letzten Jahrzehnte nicht hinfällig werde. An Babelsberg arbeiten neben den Potsdamer Experten inzwischen auch Todd Millstein von der University of California in Los Angeles sowie mehrere Forscher des dortigen Viewpoints Research Institute. Dessen Präsident ist der amerikanische Informatiker Alan Kay, seit 2011 HPI-Fellow.

Eine ausführliche Beschreibung von Babelsberg finden Interessierte im Band 81 der Reihe "Technische Berichte" im Universitätsverlag Potsdam (ISBN 978-3-86956-265-0). (mje)