Gute Karrierechancen für Mädchen

Um mehr Frauen für technische Berufe zu begeistern und sie in Führungsetagen zu etablieren, haben verschiedene Hochschulen in den vergangenen Jahren reine Frauenstudiengänge gestartet. Die ersten Erfahrungen waren kürzlich Thema einer Konferenz, die der Arbeitskreis European Women in Science and Technology (Eurowin) in Bonn veranstaltete.

Von: Dorothea Wendeln-Münchow

Lust auf Technik? Den Jugendlichen scheint sie in den vergangenen Jahren gründlich vergangen zu sein. Die Hörsäle in den Universitäten sind in den technischen Disziplinen wie leergefegt. An der Ingenieur- und Informatikausbildung sind immer weniger junge Leute interessiert. Und das, obwohl sich Absolventen inzwischen vor Jobangeboten kaum retten können. Um den Mangel an Technikern zu beheben, der auch den Standort Deutschland gefährdet, entdecken die Bildungsplaner und Verbandsvertreter derzeit die Gruppe der Frauen. Sie sind in technischen Berufen unterrepräsentiert und könnten in einem überschaubaren Zeitraum die Technik-Lücke aufzufüllen helfen.

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Die Experten machen sich derzeit nicht allzu viel vor. Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern in den technischen Berufen steht bislang mehr auf dem Papier, als dass sie Realität ist. Darüber waren sich die Beteiligten der Konferenz "Frauenstudiengänge in Ingenieurwissenschaften und Informatik - Chancen für die Zukunft" Mitte Dezember in Bonn einig. Eingeladen hatte der Arbeitskreis European Women in Science and Technology (Eurowin), der die strukturelle Benachteiligung ändern will. Dabei beraten die Fachleute derzeit schwerpunktmäßig nicht einmal mehr über die Ursachen. Mittlerweile ist der Mangel so offensichtlich, dass man sich - ganz pragmatisch - um praktizierbare Konzepte für die Zukunft bemüht, mit denen weibliche Studierende geworben und vor allem in den bisher männlich dominierten Fächern gehalten werden können.

Die Grundvoraussetzungen für einen kurz- oder sogar mittelfristigen Erfolg sind dabei vergleichsweise schlecht: Der Anteil weiblicher Studierender in den Ingenieurwissenschaften beträgt heute im Durchschnitt lediglich rund 18 Prozent. Noch sind Frauen in den technischen Berufen eindeutig in der Minderheit und müssen sich im Kreis ihre männlichen Kollegen "immer wieder mit besonderen Leistungen behaupten", erklärten Teilnehmerinnen der Veranstaltung aus eigener Erfahrung. Und dass Leistung allein nicht reicht, zeigt auch die Bilanz des Institutes für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit. Der Kurzbericht zur Arbeitslosigkeit bei Akademikerinnen stellt fest, dass die Arbeitslosenquote der Bau- und Elektroingenieurinnen mit Uni-Abschlüssen fast dreimal so hoch ist wie bei ihren männlichen Kollegen. Zudem zeigt sich, wenn man die Arbeitslosenquoten von Frauen aus verschiedenen Studiengängen untereinander vergleicht, dass ihre Studienwahl eines eher geschlechtsunspezifischen Faches ein höheres Arbeitsplatzrisiko birgt als zum Beispiel das Studium der Pädagogik oder Sprachen.