Informatik-Professor Hermann Maurer im Interview

"Google ist die mächtigste Detektei, die es je gab"

Ein von Grazer Forschern veröffentlichter Bericht bezeichnete Google unlängst als "größte und mächtigste Detektei der Welt". Durch Data Mining habe das Unternehmen in unerhörter Art und Weise Macht angehäuft und sei deshalb zu einer "Bedrohung der Menschheit" geworden.

pressetext sprach mit dem Autor des Berichts, Professor Hermann Maurer, über die Problematik des Google-Monopols und die damit verbundenen Gefahren.

pressetext: Herr Prof. Maurer, Ausgangspunkt Ihres Forschungsberichtes waren eigentlich "schwere Bedenken über Plagiate durch die Nutzung von Google". Am Ende warnen Sie aber sogar vor der "Bedrohung der Menschheit" durch Google. Wovor müssen wir uns fürchten?

Professor Hermann Maurer ist unter anderem erster Dekan der Fakultät für Informatik der TU Graz.
Professor Hermann Maurer ist unter anderem erster Dekan der Fakultät für Informatik der TU Graz.

Maurer: Das Wichtigste ist, zu verstehen, dass es nicht um die Suchmaschine Google alleine geht, sondern um das Imperium Google. Es ist die Kombination der verschiedenen Unternehmungen von Google wie YouTube, Google Earth, Google Mail etc., die im Konglomerat die gesammelten Informationen untereinander austauschen, bewusst koordinieren und verschmelzen. Das macht die Situation so gefährlich.

pressetext: Gibt es nicht auch andere Unternehmen, die eine ähnliche Bedrohung darstellen?

Maurer: Es ist sicherlich so, dass meine Bestrebungen nicht allein gegen Google gerichtet sind, sondern gegen gewisse Aspekte des Data Mining im Allgemeinen. Das trifft sicher auf andere Firmen auch zu. Nach Google im Moment vielleicht am meisten auf Yahoo, aber auch Microsoft könnte hier genannt werden. Die Firma, die das zur Zeit im größten Ausmaß betreibt, ist jedoch sicherlich Google. Sie ist ein Repräsentant für eine neue Art der Nutzung des Internets, mit der man nicht gerechnet hat und die man in irgendeiner Art und Weise wird regeln müssen.

pressetext: Inwiefern ist die Monopolstellung Googles problematisch und wie soll mit ihr umgegangen werden?

Maurer: Die Problematik ist zunächst die, dass Google als größte und mächtigste Detektei, die es jemals gab, über jede wichtige Person und Organisation ein sehr genaues Dossier mit Informationen hat. Das alleine ist natürlich schon gefährlich. Für Privatpersonen deshalb, weil dadurch unsere Privatsphäre zutiefst gefährdet wird und Informationen auch fallweise gegen uns benutzt werden können. Es wäre durchaus denkbar, dass, wenn jemand so viele Informationen über Personen hat, er diese unter Umständen an andere verkauft und zu seinen Gunsten ausnützt. Ich will Google nicht beschuldigen, dass so etwas schon getan wird. Eine gewisse Versuchung muss es allerdings schon sein, wenn jemand eine größere Summe bietet, um Informationen über eine bestimmte Gruppe von Menschen zu kriegen. Was aber vielleicht noch wichtiger ist, ist die Tatsache, dass Google auch viel über Firmen, Unternehmungen und ökonomische Strömungen in der Welt weiß. In gewissen Bereichen kann das Unternehmen so recht gute Prognosen der Zukunft abgeben. Natürlich ist da die Versuchung für eine Firma groß, das auch beispielsweise am Aktienmarkt auszunützen.