Generationswechsel steht vor der Tür

Man nehme ein paar Gateways, stelle einen Switch hierhin und einen Server dorthin - und fertig ist das Next Generation Network. Doch so einfach geht es nicht. Schließlich müssen die "alten" leitungsvermittelnden Telekommunikationsnetze in die neuen paketorientierten Infrastrukturen integriert werden. Dennoch steht eines fest: Den Netzen der neuen Generation gehört die Zukunft.

Von: Hans-Jörg Schilder

Der Siegeszug des Internetprotokolls sorgt nicht immer für strahlende Gesichter. Während im Datenbereich die Vorteile von IP auf der Hand liegen, stößt die Integration der Telefonie in die paketgestützte Übertragung auf Barrieren. Der Grund ist, dass zeitgetaktete Netze wie ISDN, Kabelnetze und Mobilfunknetze in die neuen Strukturen eingepasst werden müssen. Diese Techniken in ein konvergentes Netz zu überführen, ist eine der größten Herausforderungen für IT-Hersteller und Serviceprovider. So müssen Übergänge geschaffen werden - zu den alten Strukturen, den "Intelligenten Netzen" und den bestehenden Telefonietechniken.

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geräte voraus, die möglichst viele Netzwerktechniken unterstützen.

Konkret bedeutet das, Inhalte (Content), Transaktionsvorgänge wie Online-Abrechnung (Payment), Warenwirtschaftssysteme, Terminal-Host-Verbindungen sowie Sprachverbindungen in einem Netz abzubilden. Erst dann lohnt sich der Aufwand. Aus diesem Grund propagieren Fachleute die Integration von Multimedia und E-Commerce.

Die Telefonie spielt auch in einem "Netz der nächsten Generation" eine Schlüsselrolle. Zum einen, weil über diesen Dienst trotz E-Mail oder Short Message Services (SMS) ein Großteil der Kommunikation laufen wird, zum anderen, weil er besonders hohe Anforderungen in Bezug auf Dienstgüte (Quality of Service) stellt.

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Mit der Thematik "Next Generation Networks" (NGN) müssen sich drei Zielgruppen auseinandersetzen: Netzbetreiber (Network Service Provider, NSP), Serviceanbieter (Communication Service Provider, CSP) sowie Application Service Provider (ASP). Eine Untermenge der CSP bilden die Internet Service Provider (ISP). Alle Unternehmen, die den genannten Gruppen angehören, stehen derzeit mächtig unter Druck. Sie müssen ihre Kosten in den Griff bekommen und neue Dienste entwickeln, die sie von ihren Konkurrenten abheben. In den USA entstehen bereits neue Kategorien von TK-Firmen, etwa Internet Telephony Service Provider (ITSP), welche die Strukturen der NSP nutzen. Davon ist der deutsche Markt jedoch noch weit entfernt.

Drei Kostenfaktoren bestimmen den Aufbau der Infrastruktur:

- Die Netzkapazität: die Anzahl der Gespräche, die gleichzeitig geführt werden können. 10 bis 20 Prozent der gesamten Kosten für ein Netzwerk entfallen auf die Infrastruktur.

- Die Betriebskosten teilen sich in Gebäude, Strom und gemietete Anlagen. Gerade die Mieten haben die Entstehung der ASP und CSP gefördert.

- Die Servicequalität: Sie bestimmt die Ausgaben für die Netzausrüstung, etwa Ausgaben für Hochverfügbarkeits-Systeme oder die Verfügbarkeit von Servicemitarbeitern rund um die Uhr.

Ein weiterer Kostenfaktor ist der Parallelbetrieb von alten proprietären Strukturen und NGN-Elementen. So behauptet die Vermittlungsanlage weiterhin ihren Platz. Sie ist das Bindeglied zwischen analoger und ISDN-Telefonie, Anrufsteuerung (Call-Control), dem Routing der Gespräche und dem Billing, also dem Erstellen von Daten für die Abrechnung. Darüber hinaus gibt es noch SS7-Router und Geräte wie Signaling Control Points (SCP) oder Service Node/Intelligent Peripheral (SN/IP), die Mehrwertdienste bereitstellen.