Entsprechende Displays noch nicht ausgereift

Farb-Kindle ist noch Zukunftsmusik

Amazon-Chef Bezos hat anlässlich der jährlichen Aktionärsversammlung betont, dass der Kindle nach Ansicht des Unternehmens als Gerät für ernsthafte Leser Zukunft hat. Der Hoffnung, dass Amazons E-Reader in absehbarer Zeit ein Farbdisplay bekommen könnte, hat der CEO aber einmal mehr einen ordentlichen Dämpfer verpasst.

LCD-Displays wie beim iPad und anderen Geräten, die eher multimediale Alleskönner sind, bieten nach Bezos Ansicht kein gleichwertiges Leseerlebnis zur E-Ink-Technologie im Kindle. Die Labor-Prototypen diverser reflektiver Display-Technologien mit Farbwiedergabe sieht Bezos als noch nicht ausgereift genug für die Produktion an. Deshalb sein ein Kindle mit hochwertigem Farbdisplay "noch ein gutes Stück entfernt". Allerdings ist nicht ganz auszuschließen, dass das ein Bluff ist.

Die Bezos-Abfuhr für ein LCD-Display ist nicht überraschend, haben doch Amazon und E-Ink immer wieder betont, dass die refelektive Technologie besser für die Augen sei. Ob das wirklich zutrifft, ist freilich noch umstritten. Jedenfalls aber könnten sich die Displays mit Hintergrundbeleuchtung negativ auf die Schlafgewohnheiten auswirken, so Forscher der University of California in Los Angeles gegenüber den LA Times. Zumindest in dieser Hinsicht sei E-Ink die bessere Display-Technologie.

Freilich ist die E-Paper-Technologie aus dem Hause E-Ink nicht die einzige reflektive Displaytechnologie, die für E-Reader in Frage kommt. Sofern Amazon dem bisherigen Partner untreu wird, könnte ein Farb-Kindle vielleicht doch schon bald Realität werden. Das Philips-Spin-Off Liquavista hat anlässlich der SID Display Week 2010 angekündigt, dass seine "Electrowetting"-Technologie noch stromsparender gemacht wurde. Der Webseite des Unternehmens zufolge werden Produktumsetzungen auch der Farb-Version für spätestens 2011 angestrebt.

In den Startlöchern steht auch Qualcomms mirasol-Technologie. Unternehmens-CEO Paul Jacobs hat Ende April gegenüber der Businessweek in Aussicht gestellt, dass bereits diesen Herbst der erste E-Reader mit mirasol-Display auf den Markt kommt. Interessanterweise kamen rund um die CES Anfang Januar Gerüchte auf, dass eben Amazons Kindle als erstes Gerät auf die Qualcomm-Technologie setzen könnte.

Etwas gemächlicher geht dagegen Plastic Logic das Thema Farbe an. Hier war vor kurzem von Prototypen im Jahr 2011 und Massenfertigung 2012 die Rede. Das Rennen um den weltweit ersten Farb-E-Reader hat wiederum Fujitsu bereits für sich entschieden, wenngleich der nur in Japan gestartete FLEPia beispielsweise in Sachen Seitenaufbaugeschwindigkeit nicht wirklich beeindrucken konnte. (pte/mje)