Ethernet bis ins Hotelzimmer

Die starke Konkurrenz bei Telekommunikationsdiensten führt dazu, dass sich Service Provider nach neuen Geldquellen umsehen müssen. Besonders viel versprechend sind kostengünstige Breitbanddienste für größere Geschäfts- und Wohngebäude. Einen interessanten Ansatz hat hier Cisco mit "Long-Reach Ethernet" vorgestellt.

Von: Bernd Reder

Die Zahl der Nutzer von Breitband-Internetzugängen wächst in den USA und Europa ständig. Marktforscher gehen davon aus, dass in Westeuropa im Jahr 2004 rund elf Prozent der Haushalte über einen solchen Anschluss verfügen werden. Derzeit sind es ganze ein Prozent. Northpoint Communications, eine amerikanische Beratungsfirma, schätzt das Marktpotenzial in drei Jahren auf über 23 Milliarden Dollar.

Hintergrund dieser optimistischen Einschätzung ist, dass nicht nur Firmenmitarbeiter immer schnellere Verbindungen für immer komplexere Internet-Anwendungen benötigen, sondern auch Hotelgäste und die Bewohner von Wohngebäuden. Je mehr "Content" mit Video- und Audio-Inhalten über das Internet oder IP-Netze transportiert wird, desto höhere Bandbreiten sind erforderlich. Service Provider sehen darin die Chance, Millionen neuer Kunden zu gewinnen, indem sie Breitbandanschlüsse für einzelne Gebäude anbieten. Allerdings sind die meisten Büro- und Wohngebäude nicht mit Kabeln der Kategorie 5 ausgestattet. Fast alle Gebäude, die vor 1985 errichtet wurden, haben keine Verkabelung, über die sich beispielsweise Ethernet mit 10 MBit/s bereitstellen ließe. Service Provider haben folgende Alternativen:

- Asymmetric Digital Subscriber Line (ADSL),

- Symmetric Digital Subscriber Line (SDSL),

- Kabelnetze,

- die HPNA-Technik (Home Phoneline Networking Alliance) und

- Etherloop.

Die Gäste können neben LRE zusätzlich Wireless LAN nutzen, etwa in Konferenzräumen.

Die ersten drei Techniken sind bereits im Beitrag auf den Seiten 22 und 23 beschrieben. Nur bedingt für den professionellen Anwender interessant ist Home Phoneline Networking. Die Technik kombiniert IP und DSL. Die erste Version der HPNA-Spezifikation sah eine Bandbreite von 1 MBit/s vor. In HPNA 2.0, die im Herbst vergangenen Jahres verabschiedet wurde, ist eine Datenrate von 10 MBit/s über Telefonleitungen festgelegt. Wegen der begrenzten Skalierbarkeit gelten Einfamilienhäuser als wichtigstes Einsatzgebiet von HPNA.

Relativ neu ist Etherloop, ein Verfahren, das die Übertragung von Ethernet-Paketen mit Burst-Technologie sowie ADSL und HDSL (High Data Rate DSL) kombiniert. Entwickelt wurde es von Elastic Networks, einer Firma, die aus Nortel Networks hervorging. Ähnlich wie Ethernet übermittelt Etherloop Daten in "Bursts" und erreicht Datenraten zwischen 128 kBit/s und 6 MBit/s im Up- und Downstream-Betrieb über Distanzen von bis zu sieben Kilometern. Auch bei Etherloop stellt sich die Frage nach der Skalierbarkeit, etwa in Bezug auf höhere Datenraten.