Erste Bilder von Pentium-4-Systemen

Die ersten Fotos der von Intel verschickten Testsysteme für den Pentium-4-Prozessor (Willamette) sind im Web aufgetaucht. Die Bilder, die Sie bei tecChannel.de als erstem deutschen Webzine finden, lassen interessante Rückschlüsse auf den Aufbau der Serien-PCs mit dem 1,4-GHz-Boliden zu.

Wir präsentieren die Fotos mit freundlicher Genehmigung der britischen News-Site The Register. Sie stammen von einem der Test-Systeme, die Intel derzeit an Software-Entwickler und Hardware-Hersteller verschickt. Dem Vernehmen nach arbeitet der Prozessor, über dessen Architektur wir bereits ausführlich berichtet hatten, derzeit noch mit 900 MHz. Für die Markteinführung im vierten Quartal (tecChannel.de rechnet mit Oktober) sind 1,3 und 1,4 GHz geplant. Erste Preise für den Pentium 4 sind seit wenigen Tagen bekannt.

Das Mainboard der Testsysteme ist ein "Willamette/Tehama Validation Vehicle" (WTTV). Es hat noch nicht viel mit dem ersten Intel-Board für den Pentium 4 namens "Garibaldi" gemein. Bei der Namensgebung ist Intel seiner Tradition, Produkte nach Orten in den USA zu benennen, untreu geworden: Garibaldi ist eine Figur aus der Science-Fiction-Serie Babylon 5 - mit entsprechender Schulbildung erinnert man sich aber ebenfalls an einen italienischen General aus dem 19. Jahrhundert.

Das WTTV arbeitet mit dem Rambus-Chipsatz "Tehama", der mit Support für AGP4x als "i850" auf den Markt kommen wird. Auf dem ersten Bild sind die vier Slots für die RIMMs deutlich zu sehen. Der 850 unterstützt zwei Rambus-Kanäle mit je zwei Modulen, die zusammen eine Bandbreite von 3,2 GByte/s aufweisen werden.

Support für die veralteten ISA-Steckplätze sieht der 850 nicht mehr vor, er lässt sich aber durch eine zusätzliche PCI-to-ISA-Bridge realisieren. An der Oberseite des Boards sind die drei massiven Schaltregler mit ihren Kühlkörpern zu sehen - der Pentium 4 dürfte ein reichlich stromhungriges Monster werden.

Nach den Informationen von "The Register" läuft das WTTV nicht, ohne dass der zusätzliche Anschluss unter den Schaltreglern mit 12 Volt versorgt wird. Dies dürfte jedoch auf die zusätzliche Test-Logik zurückzuführen sein, die derartige Systeme aufweisen. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass für Pentium-4-Systeme eine Stromversorgung über ein herkömmliches ATX-Netzteil reicht.

Das Testboard WTTV: das derzeit wohl begehrteste Mainbaord der Welt

Das zweite Bild zeigt eine Großaufnahme von Prozessor und Memory Control Hub (MCH), wie Intel die Northbridge eines Chipsatzes nennt. Der MCH ist erstmals als FC-PGA ausgeführt und benötigt einen vergleichsweise großen Kühlkörper. Links neben dem Pentium 4 ist ein "CPU_RM" vorgesehen. Es handelt sich dabei um eine neue Befestigung, den "Retention Mechanism". Wie auch schon beim Slot 1 des Pentium II und III will Intel damit die Befestigung von Kühlkörpern standardisieren. Die bisher häufig gezeigten "Willamette-Kühler" mit Federclips sind also nur als Notlösung zu betrachten.

Rechts CPU, links MCH: Der "Deckel" auf dem Pentium 4 ist noch kein Kühlkörper, sondern nur ein Heatspreader, der bessere Wärmeaufnahme des Kühlers bringt.

Unter dem MCH findet sich auf dem WTTV eine interessante Beschriftung für ein Jumper-Feld. Demnach kann der physikalisch 100 MHz schnelle FSB des Pentium 4 (400 MHz per Quad Pumping) auch mit 133 MHz betrieben werden. Wenn auch die Serienboards derartige Features aufweisen, könnte der Pentium 4 ein Fest für Übertakter wie einst der Celeron A mit 300 MHz werden, der sich häufig auf 450 MHz tunen ließ. Ob sich allerdings ein 1,4-GHz-Pentium-4 mit 133 MHz FSB auf knapp 1,9 GHz übertakten lässt, darf jedoch auch bei massiven Kühlmaßnahmen stark bezweifelt werden. (nie)