Epox empfiehlt Kondensatektomie an Mainboards

In einer "Offiziellen Presseerklärung" empfiehlt der taiwanische Hersteller eine Radikalkur. Sollten Grafikkarten wegen eines überstehenden Bauteils nicht in Epox-Mainboards passen, so ist der störende Kondensator zu entfernen.

Das Problem ist altbekannt: Auf manchen Mainboards sind Bauteile so ungeschickt platziert, dass längere oder dicht bestückte Grafikkarten mechanisch nicht passen. Bei Epox haben sich nun Anwender beschwert, die in den Athlon-Boards EP-8KHA und EP-8KHA+ eine GeForce4-Karte von VisionTek (Modell GF4 Ti4600) einsetzen wollten.

Dabei ist der Kondensator am Montageplatz CE6 im Weg, wie das folgende Bild zeigt. Die Grafikkarte darauf ist zwar eine Asus V8460 Ultra, der Effekt ist jedoch derselbe: Ein Kondensator der Karte sitzt auf dem Kondensator des Mainboards auf, was den zuverlässigen Kontakt im AGP-Steckplatz verhindert.

Das Problem: Der Kondensator CE6 auf dem EP-8KHA kollidiert mit der Grafikkarte.

Die Kondensatoren CE6 und CE7 dienen zur Stabilisierung der Spannungsversorgung der DIMMs, die bei den beiden Boards mit DDR-SDRAM bestückt sein müssen. Laut Epox hat sich jedoch in der Praxis gezeigt, dass einer der Elektrolytkondensatoren mit 1500 Microfarad Kapazität völlig ausreicht. Das Board lässt sich mit einem Kondensator nach eigenen Tests stabil betreiben und auch übertakten, gibt das Unternehmen an.

Wenn die Grafikkarte also nicht passt, kann der Kondensator weg - meint Epox. Wie das zu geschehen hat, beschreibt die Firma in einer Pressemitteilung wie folgt: "Wenn die Anwender nicht erfahren im Umgang mit einem Lötkolben sind, können sie eine Zange verwenden, um dieses Bauteil zu entfernen."

Epox' Lösung: Kondensator-Ziehen mittels Zange.

Die Redaktion von tecCHANNEL kann vor einer derart groben Behandlung mit einer Zange nur warnen. Auf zwei in der Redaktion vorliegenden EP-8KHA beträgt der Spielraum unter dem Kondensator nur gut einen Millimeter. Rund um den Kondensator verlaufen empfindliche Leiterbahnen, die beim groben Aushebeln des Bauteils beschädigt werden könnten. Außerdem besteht die Gefahr, dass man mit einer Zange schlicht den Boden des Kondensators abreißt oder die Multilayer-Platine durch die mechanische Belastung beschädigt.

Auch die deutsche PR-Agentur von Epox empfiehlt Anwendern im Widerspruch zur taiwanischen Presseerklärung, nicht selbst an Boards herumzubasteln. Im Zweifel sollte man sich lieber an die Epox-Hotline unter der Nummer 09 241 / 99 17 40 wenden.

Unklarheit herrscht auch darüber, ob in Taiwan schon die deutsche Bauarbeiter-Komödie "Was nicht passt, wird passend gemacht" in den Kinos angelaufen ist. (nie)