Konzentrationsverlust

E-Mails checken macht dumm

Wer ankommende Nachrichten immer sofort liest, arbeitet ineffizient und ist unkonzentriert. Doch mit einigen Tricks kann man der Konzentrationsachterbahn entkommen.

Ein dumpfes Pling, ein aufpoppendes Fenster mit E-Mail-Benachrichtigung - und schon ist die Konzentration vorbei. Egal wie tief man in die Präsentation vertieft war, die wichtig ist und bald fertig sein muss, die akustischen und optischen Signale der eintreffenden E-Mails lassen sich kaum ignorierien. Das fällt besonders schwer, wenn man eine wichtige E-Mail erwartet wie das Go vom Chef oder eine Terminbestätigung. Also öffnet man die ankommenden Nachrichten doch. Leider war es nur wieder der abonnierte Newsletter, den man ohnehin schon lange abbestellen will. Auf welcher Seite der Präsentation war man gleich noch mal?

Autor, Sozialpsychologe und Unternehmensgründer Ron Friedman vergleicht das ständige Mailchecken damit, dass man immer sofort zum Supermarkt fährt, wenn einem auch nur ein einziger Küchenartikel ausgeht, anstatt nur ein einziges Mal zu fahren und gleich mehrere Dinge einzukaufen. "Uns ist allen klar, wie ineffizient ein solches Prozedere ist", schreibt er. Und trotzdem lesen wir sehr oft die gerade angekommene E-Mail. Weil wir irgendwie nicht anders können.

Die Neugier ist stärker

Wem dieses Szenario bekannt vorkommt, der kann insofern beruhigt sein: Es geht den meisten so. Wir sind schlicht neugierig, wollen einfach wissen, was in der E-Mail oder Chatnachricht steht. "Wer weiß, was die nächste Mail oder SMS oder das nächste Tweet an interessanten Neuigkeiten für uns bereithält. Das herauszufinden, schenkt uns ein sofortiges Gefühl der Befriedigung", schreibt Friedman. Leider trägt es nicht zur Konzentration oder einer guten geistigen Leistung bei.

Jeden Tag prasseln viel zu viele Nachrichten auf uns ein.
Jeden Tag prasseln viel zu viele Nachrichten auf uns ein.
Foto: Natalia Merzlyakova/Fotolia

Denn ständiges Mail- und Nachrichtenchecken macht tatsächlich dumm - zumindest zeitweise. Wie Forscher schon 2005 an der University of London in einem Experiment herausgefunden haben, senkt ständige Ablenkung von konzentriertem Arbeiten den IQ für eine kurze Zeitspanne. Wer gerade im Flow ist und voll auf eine Sache fokussiert, der legt immer wieder geistig eine Vollbremsung hin, einfach, weil er kurz in sein Postfach schaut.

20 Minuten bis zur vollen Konzentration

"Und wenn wir uns dann wieder unserer ursprünglichen Aufgabe zuwenden, müssen wir wertvolle geistige Ressourcen darauf verwenden, uns neu zu orientieren", schreibt Friedman. Deshalb sinkt der IQ auch zeitweise: Es fällt uns einfach schwer, uns sofort auf etwas Neues voll zu konzentrieren. Etwa 20 Minuten brauche man, um sich wieder in die ursprüngliche Aufgabe hineinzufuchsen, meint der Blogger. "Diese kleinen Verluste an Arbeitsenergie summieren sich mit der Zeit", schreibt Friedman.

Die meisten Arbeitnehmer erhalten jeden Tag sehr viele E-Mails und andere Nachrichten. Pro Woche verwendet ein durchschnittlicher Mitarbeiter, so eine Studie der AKAD-Hochschule, etwa einen ganzen Tag darauf, E-Mails zu bearbeiten. Laut der Studie summieren sich die durch E-Mails entstandenen Unterbrechungen auf zehn bis 15 Prozent der gesamten Arbeitszeit.