Netztechnik feiert Jubiläum

Das Ethernet ist 40

Egal, ob IP-Telefonie, PC, oder der vernetzte Fernseher - wann immer wir mit Endgeräten per Kabel ins Netz gehen, greifen wir auf eine Technik zurück, die 40 Jahre alt wird: Am 22. Mai 1973 skizzierte Bob Metcalfe die Grundzüge des Ethernet.

Egal, ob im Büro oder zuhause, wenn Geräte heute miteinander vernetzt werden, kommt Ethernet zum Einsatz. Dabei war anfangs nicht absehbar, dass sich Ethernet zum Milliardenseller (alleine 2012 wurden mehr 1,2 Milliarden Ethernet Ports ausgeliefert) entwickeln würde, und unserer tägliches Leben so prägen wird. Egal ob Data Center, PCs, Laptops, Tablets, Smartphones, Smart Grid, Smart Meters, Medical Devices, das Internet of Things, Connected Cars - fast überall kommen wir auf die eine oder andere Weise mit der Ethernet-Technologie in Berührung. Dabei hatte die von Bob Metcalfe am 22. Mai 1973 skizzierte Idee des Ethernets anfangs mit mächtigen Problemen und Gegnern zu kämpfen: So dauerte es über 10 Jahre bis Ethernet im Juni 1983 von der IEEE endgültig standardisiert wurde.

Und im Enterprise Networking galt etwa lange SNA (Systems Network Architecture) von IBM als Standard zur Mainframe-Vernetzung. Und im LAN war gerade in den 80ziger Jahren im Finanzwesen das später als Toter Ring verspottete Token Ring die erste Wahl. Im Gegensatz zum anfangs auf Koax-Kabeln basierenden Ethernet wies der Token Ring ein besseres Kollisionsverhalten auf. Dies änderte sich erst zugunsten von Ethernet als Kalpana 1989 den ersten Ethernet Switch vorstellte. 1994 wurde der Switch-Pionier dann von Cisco gekauft. Mit dem Switched Ethernet und der Verwendung von Twisted-Pair-Kabeln begann dann Mitte der 90ziger Jahre der endgültige Siegeszug des Ethernets. Und es folgt ein Geschwindigkeitsrekord nach dem anderen: erst 10, dann 100 und dann 1000 Mbit/s und mittlerweile werden bereits 300 Gbit/s angepeilt.

Ethernetskizze aus 1973 von Bob Metcalfe.
Ethernetskizze aus 1973 von Bob Metcalfe.
Foto: digibarn.com

Bob Metcalfe, der Vater des Ethernets, gründete 1979 mit 3Com eine Netz-Company, die in der Folge erfolgreich Ethernet-Produkte vermarktete. Bob Metcalfe blieb bis 1990 Chef von 3Com, bevor er als Kolumnist zur COMPUTERWOCHE-Schwester Infoworld ging. In dieser Zeit musste er auch vor Publikum seine eigene Zeitungskolumne verspeisen, weil er auf einen Internet-Kollaps gewettet hatte. Heute ist Bob Metcalfe Professor in Austin, Texas. Die von Bob Metcalfe gegründete 3Com - mit dem Palm leitete das Unternehmen den ersten Mobile Boom ein - wurde nach Management-Fehlern 2010 endgültig von HP übernommen und in den Konzern integriert.

Robert Metcalfe, Vater des Ethernets.
Robert Metcalfe, Vater des Ethernets.
Foto: Public Domain, Wikimedia Commons

Als weltweit größter Standarisierungsverband feiert auch die IEEE, den 40. Geburtstag des Ethernets. Schließlich ratifizierte sie den Ethernet-Standard als "IEEE 802.3T". Mit 40 Jahren zeigt der Jubilar noch keine Alterungserscheinungen, sondern zahlreiche Innovationsperspektiven. So kündigte die IEEE im April 2013 die Gründung einer IEEE 802.3 Forschungsgruppe an, die an der Entwicklung eines Ethernet-Standards für Geschwindigkeiten von 400 Gbit/s arbeiten wird, um das exponentielle Wachstum der Netzwerk-Bandbreite effizient zu unterstützen.

"IEEE 802.3 Ethernet ist überall", so Michael Howard, Mitbegründer und leitender Analyst bei Infonetics Research. "Die Anwendungen des Ethernet werden laufend vielfältiger und es funktioniert so gut, dass wir gar nicht merken, dass es da ist. Es ist ein Zeichen für die Reife des Ethernet, dass es fast unbemerkt bleibt, obwohl die Welt immer abhängiger von dieser Technologie wird."

Die meisten aktuell erhältlichen Smart-TV-Geräte sind mit einem integrierten WLAN- Modul ausgestattet. Ein separater Netzwerk- anschluss (Ethernet) ist auch mit an Bord.
Die meisten aktuell erhältlichen Smart-TV-Geräte sind mit einem integrierten WLAN- Modul ausgestattet. Ein separater Netzwerk- anschluss (Ethernet) ist auch mit an Bord.
Foto: Samsung

Anfangs wurde IEEE 802.3 entwickelt, um die Konnektivität zwischen Computern, Druckern, Servern und anderen Geräten innerhalb eines LAN-Netzwerks zu standardisieren. Seitdem hat sich die Technologie laufend weiter entwickelt, um wachsende Kapazitäten bereitzustellen und mehr Geräte, Nutzer, Medien und Protokolle über eine größere Anzahl von Netzwerktypen hinweg zu verbinden.

"Ganz egal, wo auf der Welt man sich befindet, man kann problemlos ein Gerät an das Internet anschließen", erklärt David Law, Vorstand der IEEE 802.3 Arbeitsgruppe und ausgezeichneter Ingenieur bei HP Networking. "Die Interoperabilität und Innovation, die durch IEEE 802.3 angetrieben wurden, haben es dem Internet ermöglicht, neue Ansätze für unsere Arbeit und Freizeitgestaltung zur Verfügung zu stellen, beispielsweise E-Commerce, das Teilen von Informationen oder Gemeinschaftsmaßnahmen. Neue Geschäftsmodelle wurden erfunden, ein mächtiger neuer Motor für globale wirtschaftliche Möglichkeiten wurde geschaffen und die Lebensbedingungen von Milliarden von Menschen in verschiedensten Märkten auf der Welt wurden verbessert."

"Dieser Geburtstag ist eine Möglichkeit, Tausenden von Ingenieuren, die in den letzten drei Jahrzehnten zu der Entwicklung der IEEE 802.3 Standardfamilie beigetragen haben, zu gratulieren und Anerkennung auszusprechen", kommentiert Paul Nikolich, Vorstand des IEEE 802 LAN/MAN Standardkomitees und IEEE Fellow. "Der Erfolg des Ethernet gründet sich auf das Engagement dieser Experten, die in einem offenen, transparenten Konsensverfahren daran gearbeitet haben, qualitativ hochwertige Standards zu produzieren, die eine ubiquitäre, kostengünstige, fehlerfreie Datenkommunikationsinfrastruktur zur Folge hatten. Diese Arbeit geht weiterhin auf aktuelle Marktbedürfnisse ein. (hal)