CeBIT: Socket T macht Mainboards teurer

Auf der CeBIT darf ihn endlich jeder sehen: Intel hat die Geheimhaltung für den neuen Sockel des Pentium 4 aufgehoben. Zufrieden ist mit dem Design nicht jeder.

Vor zwei Wochen sprangen Intel-Mitarbeiter noch hastig über das halbe Ausstellungsstände des IDF, wenn ein Journalist mit der Digitalkamera auf den neuen Steckplatz für den Pentium 4 anlegte. Der "Socket T", oder LGA775, galt als Geheimsache - selbst wenn zuvor schon Bilder davon im Web kursierten.

In Hannover kann man das neue Zuhause der Pentiums jetzt nicht nur ansehen, sondern auch ausprobieren. Einige Motherboard-Hersteller haben ihre neuen Produkte gleich ohne Glas-Verdeck aussen an den Stand gehängt. Deswegen sind auf unserem Bild auch schon einige Beinchen, genauer gesagt, Blechlein, des Socket T von Messebesuchern verbogen worden.

Das ist aber deutlich schwerer als bei den bisherigen Gold-Drähten, die noch dazu auf dem teuren Prozessor selbst angebracht waren. Beim Socket T sitzen die "Pins" im Sockel selbst. Sie liessen sich beim sanften Darüberstreifen mit dem Fingernagel auch nicht verbiegen, sondern federten zurück.

Mr. T - Intels Sockel steht auf der CeBIT jedem offen.

Geöffnet wird der Socket T über den im Bild zu sehenden Blechrahmen, der sich nach oben klappen lässt. Dazu ist aber das Entriegeln und seitliche Verschieben eines dicken Drahtbügels nötig, der sich bei leerem Sockel bis auf das Board drücken lässt. Die dort befindlichen Leiterbahnen können dabei leicht beschädigt werden. Ist schliesslich die CPU eingesetzt, so übt der Rahmen auf den Prozessor einen genau definierten Druck aus. Bei bisherigen Sockeln war dafür immer das "Retention Module" zuständig. Da viele Kühler-Hersteller dafür eigene Konstruktionen erfanden, wurden Intels Spezifikationen nicht immer eingehalten.

Grosse Klappe: Der Socket T entriegelt.

Durch den Blechrahmen entfällt auch das von Intel explizit vorgesehene Durchbiegen des Motherboards, das der Anpressdruck des Kühlers beim Socket 478 besorgen sollte. Der Socket T macht das Board so steif, dass das schlicht nicht mehr möglich ist.

Trotz des durchdachten Designs hat der Socket T nicht nur Freunde. Einige Mainboard-Hersteller beklagten, dass sich ihre Produkte durch den Socket T gleich um "einige Dollar" verteuern würden. Das kommt nicht nur durch den aufwendigen Sockel selbst (Blech ist teurer als Plastik), sondern vor allem durch die 775 statt 478 Kontakte. Diese müssen auf das Board herausgeführt werden, was das Routing der Leiterbahnen komplizierter macht. Immerhin muss diese Kosten aber jeder tragen, der Pentium-Boards anbieten will - also schlicht jeder Motherboard-Hersteller. Ob die neuen Boards im Handel dann wirklich teuerer werden, ist noch nicht abzusehen. Ausschliessen kann man das durch die zahlreichen neuen Technologien wie DDR2 und PCI-Express jedoch nicht.

Hintergründe und Details zur Messe finden Sie in unserem großen CeBIT-Special. Dort haben wir zudem alle CeBIT-Nachrichten in rubrikenspezifischen News-Kanälen für Sie zusammengefasst. (Nico Ernst)

Intel: Halle 2, Stand A46