CeBIT: ATI kontert NVIDIAs Notebook-Chips

In Hannover hat ATI eine Reihe neuer Grafikchips für Notebooks vorgestellt. Der "Mobility Radeon 9600" beherrscht DirectX 9 und Speicher nach GDDR-2M. ATIs eigene Benchmarks sind vielversprechend.

Der Core der neuen Mobil-Chips ist vom Radeon 9700 abgeleitet, und wie bei NVIDIAs GeForce FX Go wurde die Zahl der Pipelines auf vier Einheiten halbiert. Für den mobilen Einsatz besonders interessant ist der GDDR-2M-Speicher, den ATI mit Elpida entwickelt hat. Durch Terminierung auf dem Die und "data inversion" lässt sich beträchtlich Strom sparen. Bei diesem Verfahren wird ein bekannter Effekt vermindert: Wenn alle Leitungen eines Busses ihren Zustand auf ein Mal ändern (etwa von Low auf High schalten), wird schlagartig viel elektrische Leistung benötigt. Bei der neuen Lösung arbeiten der Speichercontroller im Grafikchip und die Speicherbausteine zusammen und verändern die Daten so, dass der Effekt weniger oft auftritt. Laut Elpida geschieht dieses "data flipping" bei etwa 50 Prozent aller Datentransfers. Nebenbei wird durch "data inversion" das Rauschen im gesamten System gemindert. Doch noch ist das Zukunftsmusik - auf den Markt kommen die ersten Mobility Radeon noch mit normalem DDR-Speicher. ATIs neue Bausteine sind immerhin schon auf GDDR-2M vorbereitet und kommen mit 32, 64 oder 128 MByte zurecht.

Alu-Kreuz: In diesem Package sitzen die vier Speicher-Chips oben, der Grafik-Chip auf der Unterseite. Er leitet seine Wärme über das Aluminium nach oben. Das Bild zeigt noch den Mobility 9000, der 9600 wird laut ATI genauso aussehen und ist pinkompatibel.

Um jetzt schon viel Strom zu sparen, arbeitet der Mobility Radeon 9600 in 130 Nanometern Strukturbreite mit 1,0 bis 1,2 Volt und soll typischerweise 4,5 Watt im 3D-Betrieb aufnehmen. Stellt er nur den Windows-Desktop dar, sollen es nur ganze 0,5 Watt sein, verspricht ATI. Diese Zahlen ähneln sehr denen von NVIDIAsGeForce FX Go. Der ATI-Chip mit seinen 60 Millionen Transistoren arbeitet mit bis zu 350 MHz, und kann wie heute üblich dynamisch einzelne Funktionseinheiten abschalten. Das kann der Benutzer nicht einzeln kontrollieren, aber Stromspar-Profile durch das im Treiber integrierte "Powerplay 4.0" anlegen - auch das kann NVIDIAs neuestes Mobil-Produkt.

Dell-Design: So verpacken die Texaner einen Notebook-Chip mit externer Grafik. Das Bild zeigt noch den Mobility 9000, der 9600 wird laut ATI genauso aussehen und ist pinkompatibel.

Bei so viel Gemeinsamkeiten dürfte letztlich die Performance über den "Design Win" beim Notebook-Hersteller entscheiden. ATIhat deswegen eigene Benchmarks vorgelegt, die immer auf der besten möglichen Konfiguration basieren - also mit einem mobilen Pentium 4 bei 2,4 GHz und GDDR-2M-Speicher durchgeführt wurden. Damit soll der Mobility Radeon 9600 ganze 10000 Punkte in 3DMark2001SE erreichen. Der kleine Bruder Mobility Radeon 9200 mit 250 MHz soll noch 8000 Punkte erreichen.

Immerhin 2000 3DMark-Zähler soll der neue Notebook-Chipsatz Mobility Radeon 7000 IGP erreichen, bei dem die Grafik integriert wurde.

So diese Herstellerangaben sich alle in der Praxis erreichen lassen, dürfte ATI seinen Marktanteil mindestens halten können. Laut Mercury Research waren die Kanadier 2002 mit über 50 Prozent aller integrierten und diskreten Grafiklösungen in Notebooks klarer Marktführer. Bei den integrierten Notebook-Chipsätzen konnte man Intel seit dem Launch der ersten ATI-Produkte auf der CeBIT 2002 laut Mercury knapp überholen und liegt nun bei 33 Prozent Marktanteil.

Die ersten Notebooks mit den neuen ATI-Lösungen sollen zwischen Mai und Juni zu haben sein, hinter verschlossenen Türen zeigte ATI auch schon Produkte der taiwanischen OEMs FIC und Quanta. (Nico Ernst)