CeBIT: 5 ATI-Chipsets für AMD und Intel

Die kanadische Grafikschmiede ATI hat in Hannover eine komplette Linie an Chipsätzen mit integrierter Grafik vorgestellt. Von zukünftigen Pentium-4-Versionen bis zum Athlon-4-Notebook werden sämtliche relevanten CPUs unterstützt.

ATIs Engagement im Chipsatzmarkt ist von langer Hand vorbereitet. Im Februar 2000 hatte man den Chipset-Entwickler ArtX übernommen und auf der folgenden CeBIT bereits ein erstes Mainboard gezeigt. Serienreif wurden diese Produkte aber nie.

Während der folgenden zwei Jahre schwanden ATI die Marktanteile bei einfachen Grafikchips - manch einer erinnert sich vielleicht noch an "Mach32 und Mach64", die Mitte der Neunziger Jahre als einfache Lösung in vielen Büro-PCs, Low-Cost-Rechnern und Servern zu finden war. Dieses Segment besetzen jetzt aber fast ausschließlich die integrierten Chipsets von Intel, VIA und SiS. Als im Juni 2001 auch noch NVIDIAs nForce vorgestellt wurde, schwanden die Chancen ATIs in diesem Markt noch weiter.

Nun melden sich die Kanadier aber mit einer kompletten Palette an lauffähigen Produkten zurück. Zu Grunde liegt bei der Grafik immer ein Radeon der ersten Generation (Radeon 7000 beziehungsweise Radeon VE). Darum hat ATI unter der Dachmarke "Radeon IGP" fünf verschiedene Northbridges und zwei Southbridges gestrickt. Die Zuordnung zu den CPUs ist der folgenden Tabelle zu entnehmen. Die doppelten Pentium-4-Northbridges unterstützen einen FSB-Takt von 533 MHz (IGP 340) oder 400 (IGP 330).

Radeonisiert: Alle modernen CPUs bekommen jetzt einen ATI-Chipsatz.

Alle Northbridges arbeiten mit einem Kanal für DDR200- oder DDR266-SDRAM - beim Konkurrenten nForce 440 können es auch zwei Kanäle sein. Daher gibt ATI bei seinen Performance-Vergleichen auch nur an, den kleineren nForce 420 mit einem DDR-Kanal schlagen zu können. Wie NVIDIA beim nForce hat ATI auch einen AGP-Steckplatz vorgesehen, falls man die interne Grafik nicht nutzen möchte.

Kanadisch konservativ: Den nForce420 will man knapp schlagen, die weiteren Testbedingungen bleiben ungenannt.

Die mobilen Varianten der IGP-Bausteine unterstützen ATIs Stromspartechnik "Powerplay", die sowohl automatisch wie auch auf Anforderung des Benutzers Einheiten des Grafikchips abschalten kann. Die Southbridges lassen sich entweder über ATIs eigenen Bus "A-Link" anbinden (266 MByte/s) oder per PCI. Die sparsamen taiwanischen ATI-Partner wie Gigabyte und FIC zeigten folglich vor allem Boards mit VIA-Southbridges mit PCI-Link.

ATI-Athlon: Der Radeon IGP 320 für AMD-CPUs.

Nicht nur schneller angebunden, sondern auch besser ausgestattet als diese Lösungen sind die ATI-Southbridges IXP 250 oder 200. Beide verfügen über sämtliche üblichen I/O-Ports (unter anderem 6 x USB, 2x ATA133, sechs analoge Audio-Kanäle) sowie FastEthernet-Logik von 3Com. Beim IXP 200 hat ATI lediglich einige Management-Funktionen wie Wake-on-LAN eingespart.

Dass ATI zum Start sowohl AMD- als auch Intel-CPUs unterstützen kann, liegt an cleveren Deals. Bereits im Januar 2001 hatte ATI sich bei Intel eine Lizenz für den Pentium-4-Bus gesichert, und AMD wird einfach als Partner prominent präsentiert. AMD-Vizepräsident Patrick Moorhead gab folglich auch am Rande von ATIs hoffnungslos überfüllter Pressekonferenz an, es seien keinerlei Gelder geflossen, damit ATI Chipsets für die AMD-CPUs entwickeln kann.

Da ist es nur logisch, dass die AMD-Northbridges zuerst auf den Markt kommen. Im Mai sollen sie in die Serienproduktion gehen, im Sommer folgen dann die anderen Lösungen und die Southbridges von ATI. Preise nannte ATI noch nicht.

Weitere Hintergründe und Details zur Messe finden Sie in unserem großen CeBIT-Special. Dort haben wir zudem alle CeBIT-Nachrichten in rubrikenspezifischen News-Kanälen für Sie zusammengefasst. (nie)

ATI: Halle 19, Stand B32