CCC-Sprecher wird europäischer ICANN-Vertreter

Der Deutsche Andy Müller-Maguhn vom Chaos-Computer-Club ist als europäischer Vertreter in den Vorstand des internationalen Internet-Kontrollorgans ICANN gewählt worden. Müller-Maguhn setzte sich mit mehr als der doppelten Stimmanzahl gegen seine nächste Konkurrentin, die Politologin Jeanette Hofmann, durch.

Müller-Maguhn erzielte 5948, Hofmann 2295 von 11309 abgegebenen Stimmen. Der von ICANN selbst vorgeschlagene und favorisierte dritte Deutsche, Winfried Schüller von der Deutschen Telekom AG, erreichte mit 990 Stimmen nur einen schwachen dritten Platz.

Noch in der Nacht hatte ICANN die bis um 0:00 Uhr GMT (2:00 Uhr MESZ) begrenzte Wahlperiode um 30 Minuten aufgestockt, um auch wirklich jedem der gut 76.000 registrierten Wähler die Gelegenheit zur Abgabe seiner Stimme zu geben.

Klarer Gewinner: Mit mehr als der Hälfte der abgegebenen Stimmen entsenden die Wähler Andy Müller-Maguhn in den ICANN-Vorstand.

Damit reagierte ICANN offenbar auf die im Vorfeld lautgewordene massive Kritik an den Wahlmodalitäten. So hatte noch am Montag Müller-Maguhn das Wahlverfahren als zu kompliziert und völlig unzureichend bezeichnet. Dies sei ein Anzeichen dafür, dass "es keine demokratische Wahl, sondern eine Legitimations-Simulation" sei, erklärte er gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Auch seine Mit-Kandidatin Hofmann hatte sich über das Wahlverfahren beklagt. So habe sie selbst, wie auch viele andere, den zur Abstimmung nötigen PIN-Code noch nicht erhalten und könne deshalb noch nicht einmal selbst mit abstimmen, erklärte sie noch kurz vor dem Wahltermin. Backup für die ICANN lieferte lediglich der dritte deutsche Kandidat, Winfried Schüller, der allerdings als einziger nicht durch Vorwahlen, sondern durch eine ICANN-Nominierung auf die Kandidatenliste kam. Die Wahlen böten ein Maximum der unter den gegebene Bedingungen möglichen Transparenz und Demokratie, ließ er verlauten.

Über die jetzt abgeschlossenen Wahlen wurden insgesamt 5 der 19 Sitze im ICANN-Vorstand vergeben. Neben Müller-Maguhn (für Europa) entsandten die Wähler den US-Amerikaner Karl Auerbach (Nordamerika), den Brasilianer Ivan Moura Campos (Lateinamerika/Karibik), den Japaner Masanobu Katoh (Asien/Australien/Pazifk) sowie den Ghanaer Nii Quaynor (Afrika) in das Gremium. Während Müller-Maguhn und Auerbach als erbitterte Kritiker der ICANN gelten und Reformen anstreben, handelt es sich bei den neuen Direktoren aus den drei anderen Regionen um von ICANN selbst empfohlene Kandidaten. (jlu)