Chef nicht immer schuld

Burnout durch eigenen Perfektionismus

Zu viele Angestellte in Deutschland fühlen sich ausgebrannt und krank. Schuld sind nicht nur die Umstände und die Chefs, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Wer eine steile These verbreiten will, der braucht vor allem Zahlen, die dem beschriebenen Problem dramatische Dimensionen verleihen, Fallhöhe produzieren.

In diesem Sinne schrieb das renommierte Gallup Institut unter der Überschrift "Die deutsche Arbeitnehmerschaft hat ein Burnout-Problem", jährlich würden aus jedem der 30 DAX-Unternehmen zwischen 1500 und 3300 Angestellte wegen Ausgebranntsein behandelt. Ermittelt hatte die Zahlen der Klinikkonzern Asklepios.

Das Ausbrennen von Arbeitnehmern kostet viel Geld - und zwar nicht nur das betreffende Unternehmen, sondern auch die Volkswirtschaft insgesamt.
Das Ausbrennen von Arbeitnehmern kostet viel Geld - und zwar nicht nur das betreffende Unternehmen, sondern auch die Volkswirtschaft insgesamt.
Foto: Petronilo G. Dangoy Jr. _shutterstock.com

Und Ursula von der Leyen rechnete vor - als sie noch Bundesarbeitsministerin war - seelische Erkrankungen seien hierzulande für 59 Millionen Fehltage pro Jahr verantwortlich, was Kosten von etwa sechs Milliarden Euro verursache.

So weit, so schrecklich. Und bekannt: Die Meinungsforscher von Gallup aus Washington D. C. beschäftigen sich seit Jahren intensiv auch mit Deutschland. Unter anderen wiederholen sie im Rahmen ihres "Engagement Index" seit 2001, das hierzulande bei den meisten Angestellten der Burnout entweder kurz bevorsteht oder bereits stattgefunden hat.

Schuld ist immer der Chef

Schuld daran, auch dieser Teil der Studie bleibt immer gleich, sind die bösen Bosse, weil sie ihren Leuten kein Feedback geben, sie nicht loben, ihnen nicht zuhören und keine Atmosphäre schaffen, die zu einer kritisch-konstruktiven Diskussion einlädt.

Eine positive Arbeitsatmosphäre schadet natürlich nie - aber in vielen Fällen genügt das nicht, um der Burnoutgefahr vorzubeugen.
Eine positive Arbeitsatmosphäre schadet natürlich nie - aber in vielen Fällen genügt das nicht, um der Burnoutgefahr vorzubeugen.
Foto: Pressmaster-shutterstock.com

An dieser - vorsichtig formuliert etwas einseitigen - Ursachenbeschreibung gibt es jetzt berechtigte Zweifel. Eine aktuelle Untersuchung der Universität von Bath (im Westen Englands) kommt zu dem Schluss, dass für Burnout sehr häufig Faktoren verantwortlich sind, die in der Persönlichkeit der Ausgebrannten liegen und mit dessen Chef wenig bis nichts zu tun haben.

Bei der Untersuchung handelt es ich um eine Meta-Studie, das heißt die Autoren haben 43 Studien ausgewertet, die sich zuvor mit dem Thema Burnout beschäftig und deren Ursachen anhand von fast 10.000 Krankenakten erforscht hatten. Wichtigste Erkenntnis: Perfektionisten sind viel stärker von Burnout bedroht als andere Menschen.

Dieser Effekt, so die Studie, ist besonders deutlich in der Arbeitswelt zu beobachten, nicht ganz so signifikant zeigte er sich dagegen in anderen Bereichen, zum Beispiel unter Sportlern.