Box Notes

Box will das Arbeiten verändern

Box wurde bislang vor allem als Konkurrent von Dropbox, wenn auch mit stärkerem Unternehmensfokus wahrgenommen - doch das ist offenbar zu kurz gegriffen.

Im Rahmen seiner jährlichen Anwenderkonferenz Boxworks hat Box das neue, leichtgewichtige "Box Notes" angekündigt, mit dem sich in der Box-Cloud gespeicherte Dokumente bearbeiten lassen. Damit entwickelt sich Box weiter in Richtung von Diensten wie Google Docs / Drive / Apps - und das ist auch nicht weiter verwunderlich, hat die Company doch im vergangenen Jahr Sam Schillace als Senior Vice President of Engineering angeheuert. Der hatte mit Writely genau die Web-basierende Textverarbeitung entwickelt, die später die Grundlage für Google Docs wurde.

Box-Chef Aaron Levie sieht seine Firma mittlerweile als "den Content-Layer" in der Cloud.
Box-Chef Aaron Levie sieht seine Firma mittlerweile als "den Content-Layer" in der Cloud.
Foto: Robert Scoble

Früher in diesem Jahr kaufte Box.com dann auch noch Crocodoc, das auf Basis von HTML einen Sharing-Service ähnlich wie Scribd oder DocStoc anbietet. Box-CEO Aaron Levie (28) spricht seit einiger Zeit verstärkt davon, dass seine Firma "der Content-Layer" in der Cloud sein und nicht einfach nur Speichern und Sharing ermöglichen wolle, schreibt Arik Hessedahl bei "All Things D".

Beraten wird Levie übrigens auch vom langjährigen Windows-Manager Steven Sinofsky, wie man einem ausführlichen Box-Porträt von Cade Metz bei "Wired" entnehmen kann. Darin steht noch eine Menge mehr über die sich verändernden Paradigmen der digitalisierten Berufswelt, auf die neben Box auch andere Startups wie Evernote, Quip und Firebase, aber natürlich auch Konzernriesen wie Google und Microsoft reagieren (müssen).

Dabei geht es unter anderem um die Wahrnehmung von Dateien und Anwendungen - in der Computerwelt bislang zwei getrennte Dinge. Doch der zunehmende Umgang mit Smartphones und Tablets ändert dies; auf diesen Geräten bleibt das Dateisystem dem Nutzer verborgen, Inhalte (die oft gar nicht unbedingt mehr lokal gespeichert sind) werden über Apps geöffnet. "Wir denken, dass Sie in fünf Jahren kein File System mehr anfassen werden, falls Sie kein Entwickler sind", sagt Firebase-Gründer Andrew Lee. "Sie fassen Ihre Applikationen an, und Ihre Applikationen verwalten die Daten."

Box Notes soll jedenfalls kein Ersatz für Microsoft Word werden. Selbst Sinofsky hat längst erkannt, dass Dokumente heute binnen Minuten erstellt und geteilt werden. Stunden- oder tagelange Feinarbeit und Formatierung passen nicht mehr in die Arbeitswelt von heute. "Das ganze Wesen der Arbeit verändert sich", sagt der Levie-Berater. "Man macht alles kontinuierlich, und das müssen Deine Tools auf andere Weise unterstützen. Es geht nicht mehr um Fußnoten, Anhang und Inhaltsverzeichnis und dergleichen. Diese Dinge sind nicht relevant - weil das Dokument gar nicht so lange hält. Du machst einfach weiter."

Deswegen ist Box Notes auch sehr einfach gehalten, noch einfacher als Google Docs sogar. "Es geht darum, den eigenen Ideenstrom zu teilen - und weniger darum, dass wir in die Textverarbeitung einsteigen", sagt Aaron Levie. Man kann mit dem Programm zwar auch mit mehreren Personen gleichzeitig an einem Dokument arbeiten - Entwicklungschef Schillace spielt diese Fähigkeit allerdings eher herunter. Dergleichen passiere in der Realität eher selten und wenn dann meist zufällig. Viel wichtiger sei, dass man ein Dokument erzeugen und mit jemand anderem teilen könne und anschließend beide daran Änderungen vornehmen könnten, ohne einander in die Quere zu kommen.

Box Notes ist aus Sicht von Schillace ganz besonders "social" konzipiert. Ausgewählte Kunden - Box bedient derzeit etwa 180.000 Unternehmen und 20 Millionen Nutzer - können das neue Tool bereits nutzen. Eine mobile Version ist auch schon in Arbeit. (mje)