Andere Wege zum Erfolg

Wer sich in diversen Newsgroups oder auch nur im World Wide Web umschaut, wird schnell feststellen, dass eine ganze Reihe von Groupware-Lösungen neben Lotus Notes existieren. Wir geben einen Überblick über diese Alternativen, die sich fast alle als Web-basierende und günstige Alternativen zum "Alleinherrscher" auf dem Groupware-Markt positionieren.

Von: Frank-Michael Schlede

Wenn der Begriff Groupware fällt, so wird in der Regel unmittelbar danach über Lotus Notes oder den aktuellen Domino-Server dieser IBM-Tochter diskutiert. Auch Microsofts Exchange-Server, der als Bestandteil der sogenannten Back- office-Familie auf der NT-Plattform die Groupware-Funktionalitäten zur Verfügung stellt, wird sicher noch erwähnt. Weitere Produkte sind aber zumeist nicht mehr bekannt. Das ist sehr schade, denn wer sich einmal die Mühe macht, im World Wide Web unter dem Stichwort Groupware zu recherchieren, der findet neben einer ganzen Reihe von Lösungen aus dem Open-Source-Bereich, die vor allem ein gemeinsames Merkmal besitzen: die Verwendung sogenannter Internet-Techniken.

Ein echtes Open-Source-Produkt, das noch in der Entwicklung ist, aber bereits sehr viel versprechende Ansätze zeigt.

Während sich die etablierten Anbieter wie Lotus erst nach und nach auf das Medium Internet als Basistechnologie für solche Anwendungen konzentriert haben, sind die kleineren Mitbewerber von Beginn an diesen Weg gegangen: Internet-Protokolle als Basis für Groupware-Lösungen. Diese Vorgehensweise bietet sich schon deshalb an, weil viele der Grundfunktionen von Groupware, wie das Versenden und Bearbeiten von E-Mails oder der Nachrichtenaustausch über Newsgroups, sowieso aus dem Internet-Umfeld kommen.

Eine Lösung, bei der dieser Weg recht konsequent beschritten wurde, trägt den Namen "Ioffice 2000" und wird in Deutschland von der Firma Sumisho Computer Systems aus Düsseldorf vertrieben. Wie der Name schon vermuten lässt, handelt es sich bei dieser Firma um das Tochterunternehmen eines japanischen Anbieters. So ist dann auch die Entwicklung der Ioffice-Software von der japanischen Mutter vorangetrieben worden. Diese Paket zeigt besonders gut, wie man auch mit relativ wenig Aufwand eine Groupware-Lösung entwickeln kann, die trotzdem alle wichtigen Merkmale zur Verfügung stellt. Wer die Software auf ihre Tauglichkeit hin untersuchen möchte, kann von der Website des Anbieters eine Testversion herunterladen, die 60 Tage ohne Einschränkung funktioniert. Zu Einsatz der Lösung benötigt man nur einen aktiven und richtig konfigurierten Web-Server auf einem Windows- (Win 95/98 und Windows NT) oder einem Unix-System (Solaris, Linux oder einCobalt-Cube-Server). Wir haben Ioffice 2000 in unserem Redaktionsnetz auf einem Linux-System unter Suse 6.3 installiert. Die nur 1,4 MByte große RPM-Datei braucht nur entpackt zu werden, damit die Anwender direkt danach auf die Software zugreifen können. Durch den Einsatz der Web-Techniken ist es nicht nötig, auf dem Client-Rechner eine spezielle Software zu installieren, der Zugriff erfolgt allein durch einen Browser. Damit arbeitet die Lösung auch unabhängig von den eingesetzten Plattformen im Unternehmen. Vom Terminplaner, über die "To-do"-Listen bis hin zu Workflow-Funktionalitäten stehen dem Anwender hier alle Merkmale zur Verfügung, die eine Groupware-Lösung benötigt. Besonders verblüffend an dieser Lösung ist es, welcher Funktionsumfang mit einigen CGI- und Perl-Skripts angeboten werden kann.

Eine Web-gestützte Lösung, die alle Funktionalitäten einer 'großen' Groupware-Lösung zur Verfügung stellt.

Wer nicht unbedingt ein kommerzielles Werkzeug wie Ioffice einsetzen möchte, kann auch eine der vielen Open-Source-Lösungen verwenden, die im WWW reichlich zu finden sind. Als ein Beispiel soll hier die Software "Group.lounge" erwähnt werden. Bei dieser ebenfalls vollständig auf Web-Techniken aufsetzenden Anwendung wurde noch mehr Wert auf die Möglichkeiten der Kooperation über das World Wide Web gelegt. So wird neben der Möglichkeit, Dokumente jeder Art zu bearbeiten und zu speichern, auch eine History-Funktion angeboten, mit deren Hilfe eine Art Repositiory gepflegt werden kann. Durch den Einsatz von reinen HTML-Schablonen für das Design der Oberfläche lässt sich ein solches Werkzeug auch schnell und einfach an die Gegebenheiten der eigenen Firma oder Arbeitsgruppe anpassen. Wie bei vielen anderen Open-Source-Projekten auch, setzt diese Anwendung auf einem Linux-Server auf und verwendet die auf den meisten Linux-Systemen vorhandene Datenbank "mysql" und die interpretative Programmiersprache Python. Wer jedoch die Mühe nicht scheut, sich ein wenig länger in diese Software einzuarbeiten, der findet eine clevere Lösung, die sich besonders gut an die eigenen Bedürfnisse anpassen lässt.

Ein weiteres Programm aus dem Umfeld der Open-Source-Programme soll hier noch zum Abschluss erwähnt werden: "Jetspeed" von den Entwicklern des Apache-Web-Servers. Dabei handelt es sich um die Implementierung eines so genannten "Enterprise Information Portal". Jetspeed soll sich besonders gut eignen, viele unterschiedliche Datenquellen aus dem Internet unter einer Oberfläche zu vereinen und den Anwendern dabei helfen, große Datenmengen zu verwalten. Diese Lösung setzt konsequent auf Java auf und unterstützt dabei auch XML-Inhalte. So basiert auch die gesamte Konfiguration und Verwaltung dieses Portals auf XML. Im Gegensatz zu der Lösung "Group.lounge" handelt es sich jedoch bei Jetspeed wirklich um ein Werkzeug für Entwickler - wer selbst in Java entwickelt, findet hier eine Lösung, mit der er eine unternehmensweite Groupware-Strategie aufsetzen kann.

Groupware-Produkte, die mittels Internet-Techniken arbeiten, werden eine immer größere Bedeutung erlangen. Dafür sorgen die Pläne der ASPs (Application Service Provider), die ihren Kunden solche Anwendungen über das World Wide Web zur Verfügung stellen wollen. Schließlich strebt auch Sun mit seinen Portal-Plänen rund um Star Division in diese Richtung.