AMD ändert Montage-Empfehlungen für Kühler

In seiner neuen Ausgabe der Empfehlungen für Athlon-Systeme hat AMD ein für professionelle Lösungen wichtiges Detail gestrichen: Die bisher üblichen vier Löcher um den Socket A sind wegrationalisiert, mit erheblichen Konsequenzen.

Extra: For an English version, please click here.

Das Zuhause der aktuellen Athlon-CPUs ist mechanisch gesehen ein Relikt aus der Ära der ersten Pentium- und K6-Prozessoren. Der "Socket A" selbst sieht für die Kühlermontage lediglich drei Nasen an zwei Seiten des Sockels vor, an denen sich eine Klammer festhalten soll. Diese Klammer hält dann letztlich den Kühlkörper.

AMDs neue Lösung: Die drei umrandeten Nasen sollen 300 Gramm schwere Kühler halten.

Die Plastik-Nasen des Sockels können aber schwere Kühler nicht bändigen, auch wenn drei auf jeder Seite vorgesehen sind. AMD begrenzt deshalb das zulässige Höchstgewicht auf 300 Gramm.

Sobald als Kühler-Material Kupfer ganz oder teilweise zum Einsatz kommt, wird dieser Grenzwert schnell überschritten. Deshalb hatte AMD mit dem ersten gesockelten Athlon mit Thunderbird-Core auch vier Löcher rund um den Sockel empfohlen. Damit lassen sich schwere Kühler mit dem Board verschrauben und nicht nur am Sockel befestigen.

Vergangenheit: Dieser Kühler wird über Löcher im Board montiert, in denen Gewinde-Einsätze stecken. Federn sorgen für definierte Auflagekraft.

Auch Intel hat sich mit der Einführung des Socket 478 einen aufwendigen Rahmen ausgedacht, der auch große Kupfer-Kühler halten kann, wir berichteten. Ausgerechnet die einzige Neuerung, die AMD zum Thema "Kühler-Montage" in den letzten Jahren beigetragen hat, wird nun aber wieder abgeschafft.

Die neueste Ausgabe des "Thermal, Mechanical and Chassis Cooling Guide" von AMD beschreibt auf Seite sechs als Neuerungen "removing the four mounting holes." Das Dokument ist hier auf dem AMD-Servern als PDF einzusehen.

Im Klartext: AMD empfiehlt Mainboard-Herstellern nun nicht mehr, die vier Löcher um den Socket A anzubringen. Die Board-Bastler können in Zukunft die Löcher weglassen und immer noch behaupten, die Spezifikationen von AMD einzuhalten. Gerade kleinere taiwanische Unternehmen werden davon bald Gebrauch machen. Zum einen sind die Bohrungen selbst ein Kostenfaktor in der Produktion, zum anderen wird durch die Löcher das Führen der Leiterbahnen schwieriger (Routing), was beim Design der Boards mehr Mühe erfordert.

Dennoch denken nicht alle Hersteller daran, die Löcher sofort wegzulassen. Stephan Schwolow, Marketing Manager bei MSI, gab im Gespräch mit tecCHANNEL an, dass die "mounting holes" bei der kommenden Generation an KT333-Boards auf jeden Fall zu finden sein werden. Auch darüber hinaus möchte MSI sie beibehalten.

Asus verfolgt dieselbe Strategie. Uwe von der Weyden, Technical Manager des Unternehmens, meinte nach kurzer Rücksprache mit seinen Board-Entwicklern: "AMD hat uns früher eigens gebeten, diese Löcher dort anzubringen. Daher bleiben sie jetzt erhalten." Das soll wie bei MSI für die KT333-Boards gelten, laut von der Weyden höchstwahrscheinlich aber auch für zukünftige Athlon-Boards.

Abit schert jedoch aus. Marketing Manager Thore Welling gab an, dass bei seiner Firma ebenfalls die KT333-Modelle noch mit den Löchern versehen werden. Danach, so Welling, fallen die Löcher weg. Ob Abit sich das mit seinen bei Übertaktern beliebten Boards wirklich leisten kann, muss sich aber noch zeigen.

Doch nicht nur Taktfrequenz-Junkies profitierten bisher von den großen Kühlern, die über die "mounting holes" befestigt wurden. Bei solchen Kühlkörpern kommt man auch mit langsamer drehenden Lüftern aus, was leisere PCs ergibt. Bei deutschen Hardware-Versendern sind die Schraub-Kühler folglich sehr beliebt.

Hermann Schrepel von pc-cooling.de verkauft nach eigenen Angaben 20 Prozent seiner Athlon-Kühler mit Schrauben für die "mounting holes". Auch in den Münchner Hardware-Shops der Schillerstrasse ist der "Alpha 8045" mit Kupferkern aus dem zweiten Bild dieses Beitrags überall zu sehen und findet nach Aussagen der Händler reißenden Absatz - und zwar nicht nur mit Overclocking-Turbinen, sondern auch mit leisen Lüftern unter 2000 U/Min.

AMD scheint sich dieser Situation nicht ganz bewusst zu sein, und konzentriert sich offenbar ganz auf das OEM-Geschäft mit PC-Herstellern. Die Entscheidung zur Abschaffung der Löcher steht nach Aussage des AMD-Sprechers Jan Gütter fest: "Nachdem diese Löcher ohnehin kaum jemand verwendet hat, haben wir sie aus der Spezifikation genommen." Anwender, die ihre PCs selbst bauen, werden das nicht gerne hören und AMDs Lochfraß bedauern. (nie)