Alle im Einklang

Die SyncML-Initiative will eine Achillesferse des Mobile Computing beseitigen: die inkompatiblen Verfahren zur Synchronisierung von Daten, die auf Handys, Palmtops und anderen Mobilgeräten sowie Rechnern im Firmennetz lagern.

Von: Bernd Reder

Der Vielfalt sind offenbar keine Grenzen gesetzt. Personal Digital Assistants (PDAs), Handys, "tragbare" Rechner in allen Varianten bevölkern die IT-Welt und sollen ihren Benutzern das Leben erleichtern. Schade nur, dass die meisten Anwender nicht mit einem Gerät auskommen, sondern mehrere gleichzeitig verwenden: Den PDA, um unterwegs Adressen, Termine und Aufgabenlisten parat zu haben, das Handy, um mobil zu telefonieren, mit Hilfe des "Wireless Application Protocol" (WAP) auf das Internet zuzugreifen oder Kurznachrichten (SMS) zu senden und zu empfangen, und das Notebook oder Subnote-Book, um Textdokumente oder Präsentationen zu bearbeiten.

Spätestens dann, wenn der Benutzer Daten auf unterschiedlichen Systemen abgleichen möchte, etwa die Adressdatenbank oder die To-do-Listen, wird diese Vielfalt zur Falle. Denn bis jetzt gibt es noch keinen Standard für die Synchronisierung der Informationen, die auf diesen Geräten lagern. Noch schlimmer: Die Insellösungen, die derzeit angeboten werden, etwa um die neuen Adressen vom PC zum PDA zu übertragen und umgekehrt, provozieren teilweise dank umständlicher Benutzerführung und technischer Unzulänglichkeiten geradezu "Daten-Crashs".

Mit SyncML soll der Anwender in der Lage sein, Daten unterschiedlicher Herkunft mit den Informationen auf Mobilgeräten abzugleichen.

Dieses Problem will nun SyncML beheben. Diesen Namen hat sich eine Initiative von mittlerweile mehr als 150 Firmen gegeben. Sie wollen ein Standardprotokoll für die Synchronisierung von Daten zwischen Handheld-Rechnern, Mobiltelefonen, Pagern und Notebooks entwickeln.

Generell soll das SyncML-Protokoll den Abgleich von Daten zwischen Mobilgeräten und Systemen in einem LAN oder dem Internet erlauben. Der Benutzer kann dann beispielsweise E-Mails über den PDA oder sein Mobiltelefon empfangen und lesen. Wenn er dann seine Mails später noch einmal mit Hilfe eines Rechner mit Funkanbindung in seinem Auto checkt, sieht er, welche Mitteilungen er bereits gelesen hat und welche nicht. Ein weiterer Vorteil eines Standards besteht darin, dass Mobilsysteme dann mehrere Arten von Informationen unterstützen können, von Kontaktdaten über Informationen, die in der Firmendatenbank lagern, bis hin zu Kalendern.

Ein Synchronisierungsprotokoll, das diese Anforderungen erfüllen soll, muss folgende Eigenschaften aufweisen:

-für Datenkommunikation über kabelgestützte und Funk-Netze sowie Infrarot-Verbindungen ausgelegt sein,

-unterschiedliche Transportprotokolle und Datenformate unterstützen,

-von einer Vielzahl unterschiedlicher Applikationen aus den Zugriff auf Daten ermöglichen,

-die begrenzten Ressourcen von mobilen Systemen berücksichtigen, etwa in Bezug auf Speicher und Verarbeitungsleistung,

-auf vorhandenen Internet- und Web-Techniken aufsetzen und

-diejenigen Synchronisationsfunktionen unterstützen, auf die möglichst alle Systeme zurückgreifen.

Besonders hohe Ansprüche an das Universalprotokoll stellen die "Wireless-Network"-Techniken. Sie weisen eine Reihe limitierender Faktoren auf. Dazu zählen die Latenzzeiten, also die Verzögerung, die entsteht, wenn ein Paket empfangen, zwischengespeichert, analysiert und dann weitergeleitet wird. Das Sync-Protokoll muss mit diesen Latenzzeiten umgehen können. Dasselbe gilt für die eingeschränkte Bandbreite, die beispielsweise in Mobilfunknetzen zur Verfügung steht. Um dieses kostbare Gut möglichst wenig zu vergeuden, sind spezielle Kodierungstechniken erforderlich, und zwar sowohl für die Daten und die Sychronisationsbefehle. Als aussichtsreichen Kandidaten betrachtet die SyncML-Initiative WBXML (WAP Binary XML) - eine Norm, die das WAP-Forum entwickelt und dem W3C zur Verabschiedung vorgelegt hat.

Eine weitere Anforderung ist durch die relative hohen Kosten für die Paketübermittlung in Mobilfunknetzen bedingt. Ein universelles Synchronisationsprotokoll muss deshalb mit möglichst wenigen "Request-Response"-Vorgängen beim Abgleich der Daten zwischen (Fest-)Netz und dem Mobilgerät auskommen. Idealerweise werden nur zwei Nachrichten generiert, also eine Anfrage und eine Antwort, um den Datenverkehr niedrig zu halten. Das bedeutet unter anderem, dass auch Konflikte, beispielsweise wenn Datensätze doppelt vorhanden sind, möglichst in einem Zuge gelöst werden sollten. Um die Konsistenz der Datenbestände sicherzustellen, sind weiterhin Vorkehrungen für den Fall erforderlich, dass ein Datenabgleich unterbrochen wird.