Balance wichtig

20 Regeln für flexibles Arbeiten

Microsoft hat zusammen mit Gallup einen How-to-Guide zum flexiblen Arbeiten verfasst. Das von Yahoo verkündete Home-Office-Verbot nennt Brigitte Hirl-Höfer von Microsoft Deutschland im Interview einen rückwärtsgewandten Schritt.

Microsoft hat zusammen mit dem Beratungsunternehmen Gallup einen How-to-Guide zum Thema flexibles Arbeiten entwickelt. Dabei geht es nicht um eine Gebrauchsanweisung für die passenden Technologien sondern darum, welche Voraussetzungen in einer Unternehmenskultur geschaffen werden müssen, damit flexible Arbeitsmodelle gelingen können. Konkret nennt der Guide jeweils zehn Regeln, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber beim flexiblen Arbeiten beachten sollten.

Wenige Tage vor dem Gesprächstermin mit Brigitte Hirl-Höfer, Senior Director Human Resources und Mitglied der Geschäftsführung bei Microsoft Deutschland, und Pa M. K. Sinyan, Senior Consultant bei Gallup Deutschland, wurde bei Yahoo bekanntgegeben, dass die Angestellten ab Juni nicht mehr im Home-Office arbeiten dürfen. Brigitte Hirl-Höfer und Pa M. K. Sinyan zeigten sich beide "überrascht" über diese Ankündigung.

"Ich halte das für einen rückwärtsgewandten Schritt", sagt Brigitte Hirl-Höfer von Microsoft Deutschland über das Home-Office-Verbot bei Yahoo.
"Ich halte das für einen rückwärtsgewandten Schritt", sagt Brigitte Hirl-Höfer von Microsoft Deutschland über das Home-Office-Verbot bei Yahoo.
Foto: Microsoft

"Ich halte das für einen rückwärtsgewandten Schritt", sagt Brigitte Hirl-Höfer von Microsoft Deutschland. Und Pa M. K. Sinyan von Gallup ergänzt: "Wenn durch die Home-Office-Lösungen tatsächlich der Austausch fehlt, hätte man sich bei Yahoo doch lieber die Frage stellen sollen, wie sich dieser Austausch fördern lässt."

Brigitte Hirl-Höfer betont jedoch, dass man zwischen einem ausschließlichen Home-Office und einem ab-und-zu Home-Office unterscheiden muss. "Ich bin kein Freund von den beiden Extremen, dem permanenten Home-Office und der hundertprozentigen Präsenzkultur. Es braucht eine Balance", sagt sie.

Und sie nennt dafür ein Beispiel: Möchte ein Microsoft-Mitarbeiter gern sehr flexibel arbeiten, ist das kein Problem, sofern es zu seiner Rolle passt. Allerdings sollte er erst ein Jahr lang auch Zeit im Büro verbracht haben, um sich ein persönliches Netzwerk aufzubauen. Generell gilt für Microsoft-Angestellte Vertrauensarbeitszeit, dabei wird viel Wert auf Zielvereinbarungen und regelmäßige persönliche Gespräche gelegt.

Viele der Regelungen sind "Common Sense"

Viele der Regelungen aus dem How-to-Guide bezeichnet Brigitte Hirl-Höfer als "Common Sense". Das Fundament dieser flexiblen Arbeitsformen klingt so einfach und doch fehlt es daran häufig: Vertrauen.

Pa M. K. Sinyan von Gallup über das Home-Office-Verbot bei Yahoo: "Wenn durch die Home-Office-Lösungen tatsächlich der Austausch fehlt, hätte man sich bei Yahoo doch lieber die Frage stellen sollen, wie sich dieser Austausch fördern lässt."
Pa M. K. Sinyan von Gallup über das Home-Office-Verbot bei Yahoo: "Wenn durch die Home-Office-Lösungen tatsächlich der Austausch fehlt, hätte man sich bei Yahoo doch lieber die Frage stellen sollen, wie sich dieser Austausch fördern lässt."
Foto: Gallup

Dazu kommt bei Arbeitgebern zum Beispiel, dass sie mit ihren flexibel arbeitenden Mitarbeitern klare Vereinbarungen treffen, neue Meetingkulturen schaffen und das Thema Führung nicht vernachlässigen dürfen. Arbeitnehmer müssen bei flexiblen Arbeitsmodellen etwa darauf achten, nach Feierabend abzuschalten, richtig zu kommunizieren und sich mit Kollegen regelmäßig auszutauschen.

"Damit Leistung nicht mit der Anwesenheit gleichgesetzt wird, müssen Unternehmen die Leistung ihrer Mitarbeiter objektiv mit Kennzahlen messen", empfiehlt Pa M. K. Sinyan. Denn schließlich kommt es auf das Ergebnis an und nicht darauf, wer abends am längsten im Büro gesessen hat.

Brigitte Hirl-Höfer glaubt nicht, dass Yahoo mit seinem Home-Office-Ende eine Kehrtwende eingeläutet hat: "Das Thema wird sich auch zukünftig weiter verstärken. Nicht nur durch neue Technologien sondern auch durch eine neue Generation an Mitarbeitern, die diese Arbeitsweise einfordert."